Offshore-Gigant für die Nordsee

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Die Stahlkonstruktion von DolWin beta ist fertiggestellt – ein echter Meilenstein im Offshore-Projekt DolWin2. Die Konverterplattform entsteht derzeit in Dubai und wird von 2015 an stolze 900 MW umweltfreundlich erzeugten Strom ins deutsche Netz einspeisen.

In Dubai sind Superlative an der Tagesordnung: Das höchste Gebäude, die größte Shopping-Mall, die größte künstliche Inselgruppe – das sind nur einige Beispiele für die vielen Weltrekorde des Emirats. Damit ist die Schiffswerft Drydocks World (DDW) genau der richtige Ort, um die größte Konverterplattform der Welt zu errichten. Die „Topside“ von DolWin beta hat die Ausmaße eines Fußballfeldes und ihre sechs Stahlbeine, die später auf dem Meeresboden aufsetzen werden, ragen 50 m in die Höhe. Für DolWin beta hat ABB gemeinsam mit der norwegischen Werft Aibel das sogenannte schwerkraftbasierte Konzept (GBS-Konzept) entwickelt. Den Stahlbau der Plattform hat Aibel an DDW vergeben. ABB steuert das gesamte Netzanbindungs-projekt und stattet die Plattform mit Energietechnik aus. Diese reicht von gasisolierten Schaltanlagen und Trafos über endlose Reihen von Schaltschränken bis hin zum Herz der Plattform, den Konverterventilen, die für die Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom zuständig sind.

Die fertige Plattform wird dann etwa 20.000 t wiegen. Seit Juni 2012 haben bis zu 1.800 Arbeiter an den Stahlmodulen gebaut. Beim „Mating“ im Dezember 2013 setzten die Werftarbeiter den gelben Kasten der „Topside“ auf die Unterkonstruktion. Das dauerte volle zwei Tage – die Geschwindigkeit, mit der sich die „Topside“ nach oben bewegte, lag bei einem Meter pro Stunde. „Das war ein spektakulärer Augenblick“, blickt Kjetil Jacobsen, Projektleiter bei Aibel, zurück. „Seit dem ‚Mating‘ bringt es die Plattform auf eine Gesamthöhe von 77 m und ist nun nicht mehr zu übersehen.“ Er war auch dabei, als Arbeiter im Februar den 500 t schweren Wohncontainer per Schwimmkran auf das Deck der Plattform hievten und mit ihr verschweißten. „Wir sind jetzt voll darauf konzentriert, die Arbeiten an der Plattform fertigzustellen“, erläutert Markus Runck, Deputy Site Manager für die Plattform bei ABB.

Im Sommer geht es auf die Reise

Ein Halbtaucher-Transportschiff bringt DolWin beta im Sommer 2014 nach Haugesund in Norwegen, wo weitere Arbeiten an der Plattform vorgenommen werden. Anschließend kommen die Vorteile des GBS-Konzepts zum Tragen: Mit einfachen Schleppern wird die schwimmfähige Plattform in ihre zukünftige Heimat etwa 45 km vor der deutschen Nordseeküste gebracht und dort durch Befüllen der Stahlbeine mit Sand und Kies installiert. 2015 wird die Netzanbindung in Betrieb gehen: Mit ihrer Hilfe wird der Wechselstrom aus dem angeschlossenen Windpark Gode Wind II mit insgesamt 240 Turbinen und anderen in Gleichstrom umgewandelt. „Mit einer Kapazität von 900 MW kann DolWin beta genug Energie übertragen, um bis zu 1,5 Millionen Haushalte mit Windenergie zu versorgen“, erläutert Tomas Brunzell, Project Director von ABB. Damit lassen sich im Vergleich zur Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen über drei Millionen t CO2-Emissionen pro Jahr einsparen.

Strom verlustarm transportieren

DolWin beta ist Teil des Netzanschluss Projekts DolWin2. ABB entwickelt, konstruiert, liefert und installiert nicht nur die Offshore-Plattform, sondern auch die Konverterstation an Land sowie die Land- und Seekabelsysteme. Um den Strom an Land zu transportieren, setzt ABB die HVDC Light-Technologie ein. Mit einer Nennleistung von 900 MW entsteht das leistungsstärkste Netzanbindungssystem für Offshore-Windparks. „HGÜ bietet als einzige Übertragungstechnologie die Möglichkeit, den von Windenergieanlagen erzeugten Strom verlustarm über weite Entfernungen zu übertragen“, erklärt Brunzell. So werden elektrische Verluste auf unter ein Prozent pro Umrichterstation minimiert. Genau wie bei der Netzanbindung von DolWin1, die ABB derzeit realisiert, werden dabei 320 kV XLPE-Kabel verwendet, ein Rekord für kunststoffi solierte Kabel.

Über die Kabel, die mit zwölf Zentimetern etwa den Durchmesser einer CD haben, fließt der Strom von der OffshoreKonverterplattform über eine See- und Landtrasse von insgesamt 135 km Länge zur Konverterstation Dörpen-West im emsländischen Heede. Dort wird er in Wechselstrom zurückgewandelt und ins Übertragungsnetz eingespeist. Die Landund Seekabel werden 2014 installiert; das Richtfest für die Landkonverterstation fand bereits im Herbst statt; derzeit wird dort die Energietechnik installiert. Für ABB als Generalunternehmer ist DolWin2 mit einer Milliarde US-Dollar der bisher größte Auftrag im Bereich Energieübertragung und -verteilung in der Firmengeschichte. Es ist nach BorWin1 und DolWin1 der dritte Auftrag zur Anbindung von Offshore-Windparks mit HGÜ-Systemen in Deutschland.

Vorteile von HVDC Light

Die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) wird in Deutschland als Technologie mit einer zentralen Bedeutung für die Umsetzung der Energiewende immer bekannter. Die effiziente Übertragung großer Mengen an Strom macht sie zur idealen Technologie für die Netzanbindung entlegener Offshore Windparks. Die selbstgeführte HGÜ-Technologie, die auf der Halbleitertechnologie basiert und die ABB vor 15 Jahren unter dem Namen HVDC Light präsentierte, hat weitere Vorteile wie Frequenzregelung und Blindleistungsbereitstellung, die sie zur idealen Technologie für den Netzausbau machen