3D-Druck aus recyceltem Meeresplastik

Like
Bookmark
Intro

Roboter spielen bereits heute im Einzelhandel eine wichtige Rolle. Sie übernehmen beispielsweise Arbeiten in der Lagerhaltung und im Versand. Das Londoner Kaufhaus Selfridges präsentiert derzeit die Zukunft des Einzelhandels und greift zwei brennende Themen auf: Nachhaltiger, ressourcenschonender Konsum und Automatisierung durch Roboter. In einer spannenden Kombination aus Kunst und Konsum zeigt das Kaufhaus in der Oxford-Street im Schaufenster einen ABB-Roboter, der per additivem 3D-Druck verschiedene Design-Artikel aus recyceltem Parley Ocean Plastic® herstellt. Und die personalisierten Waren werden auf Kundenbestellung vor Ort verkaufsfertig produziert.

Zukunft des Einzelhandels: Robotik und Kauferlebnis

Die 3D-Druck-Installation bei Selfridges ist Teil des Konzepts „SUPERMARKET“. Es hat zum Ziel, Konsumenten zum Nachdenken anregen und das eigene Einkaufsverhalten zu reflektieren. Denn die Art und Weise, wie Waren hergestellt werden, hat Auswirkungen unsere Umwelt. Partner des Projekts sind die Umweltorganisation Parley for the Oceans sowie die innovative Designmarke Nagami. Die Installation, bestehend aus der Simulationssoftware RobotStudio® sowie ABB‘s Industrieroboter IRB 6700, kann verschiedene Gegenstände aus Parley Ocean Plastic® herstellen, wie beispielsweise Möbel oder Haushaltswaren. Unter Anwendung des innovativen Kunststoffextruders von Nagami druckt der Roboter die Objekte direkt vor Ort entsprechend der Kundenbestellung, die per Bildschirmeingabe abgewickelt wird.

Individuell gestaltete Vase im Londoner Kaufhaus Selfridge: 3D-Druck macht’s möglich

Eine größere Produktauswahl erfreut zwar Kundinnen und Kunden, geht jedoch gleichzeitig zu Lasten der Umwelt. Denn Produkte und Verpackungen werden oft weggeworfen, ohne dass hinterfragt wird, wo sie entsorgt oder ob sie recycelt werden. Indem wir Designobjekte aus wiederverwertbarem Meeresplastik drucken, zeigen wir, dass Roboter einen wichtigen Beitrag für nachhaltige Fertigungsprozesse leisten können, die für die Kreislaufwirtschaft von zentraler Bedeutung sind.

Marc Segura, Leiter der Robotics-Division von ABB

Das Ziel von Parley Ocean Plastic® ist es, der Plastikverschmutzung und somit der Zerstörung unserer Weltmeere entgegenzuwirken. Die Installation unterstreicht zum einen die Bedeutung von Umweltinnovationen. Zum anderen hebt sie das große Potenzial der robotergestützten Automatisierung für den Einzelhandel hervor, gerade wenn es darum geht, den Einzelhandel für Kunden attraktiver zu gestalten. Roboter kommen bereits vermehrt in der Lagerhaltung und im Versand sowie für Serviceleistungen in den Geschäften zum Einsatz. Das Forschungsunternehmen Coherent Market Insights schätzt, dass Robotik im Einzelhandel bis 2028 um 30 Prozent zunehmen wird.

Durch die Zusammenarbeit mit zwei führenden Branchengrößen, ABB und Nagami, können wir jetzt überall auf der Welt nach Bedarf drucken – und überführen so ein Problem in eine Lösung. Der Direktdruck in Kaufhäusern wie Selfridges bietet enormes Potenzial zur Abfallreduzierung. Darüber hinaus wollen wir diese Technologie nutzen, um Organisationen rund um den Globus zu befähigen, ihren Plastikmüll in eine unternehmerische Chance und nützliche Gegenstände zu verwandeln. Für die Ozeane, das Klima und das Leben.

Cyrill Gutsch, Gründer und CEO von Parley

3 Trends beim Einsatz von Robotern im Einzelhandel

  1. Micro-Fulfillment: Roboter können in den Läden bei der Auftragsabwicklung und bei der Auslieferung unterstützen.
  2. Personalisierung: Roboter können ein Produkt nach spezifischen Kundenwünschen herstellen. Optional kann der Kundin oder dem Kunden eine automatische Personalisierung auf Basis früherer Kaufgewohnheiten angeboten werden.
  3. ‚Retailtainment‘: Roboter können als Teil einer interaktiven Ausstellung oder Show eingesetzt werden, um Besucherinnen und Besucher zu informieren und zu unterhalten.

Ein Beispiel für ‚Retailtainment ist die Installation mit einem ABB-Roboter in der Berliner Filiale des deutschen Modehändlers Solebox. Hier können Kundinnen und Kunden über die Eingabe an einem Bildschirm Schuhe auswählen, die der Roboter dann aus einem Regal entnimmt und in eine Schublade legt. Wenn der Schuh nicht passt oder ein anderes Modell anprobiert werden soll, holt der Roboter den Schuh wieder aus der Schublade und stellt ihn zurück in das Regal. In China hat das Mobilfunkunternehmen Huawei in Zusammenarbeit mit ABB einen Kiosk entwickelt, in dem Kundinnen und Kunden Elektrogeräte wie Smartphones und Tablets abholen können. Der Kiosk ist speziell für den Einsatz in Haupteinkaufsstraßen konzipiert. Dabei prüft das FlexBuffer-System von ABB alle Geräte, die entweder online bestellt oder vor Ort gekauft wurden. Nach der Auswahl werden die Produkte zur Mitnahme in eine Abholschublade gelegt.

ABB Roboter im Einsatz: Beim Berliner Modehändler Solebox können Kunden ihre Schuhe über einen Bildschirm auswählen.

„Die Möglichkeit, Roboter in Geschäften sowohl hinter als auch vor der Ladentheke einzusetzen, bietet dem Einzelhandel spannende Möglichkeiten. Wenn Roboter bei Micro-Fulfillment-Tätigkeiten unterstützen, kann das Personal entlastet werden und sich somit mehr darauf konzentrieren, Kundinnen und Kunden ein besseres Einkaufserlebnis zu bieten“, resümiert Marc Segura. „Wie die Installation bei Selfridges zeigt, ermöglichen Roboter auch eine personalisierte Produktion der Waren direkt in den Geschäften, was dem Einkaufserlebnis eine ganz neue Dimension verleiht.“

Mit diesem neuen Kundensegment erweitert ABB das Portfolio im Rahmen einer breit angelegten Strategie, die Expansion in neue und wachstumsstarke Segmente wie die Logistik sowie das Gesundheits- und Bauwesen zu beschleunigen.

Über Parley for the Oceans

Parley for the Oceans ist das globale Netzwerk, in dem Kreative, Denker und Vorreiter aus kreativen Branchen, Unternehmen, Regierungen und Umweltschutzgruppen zusammenarbeiten, um das Bewusstsein für die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Meere zu stärken und Projekte zu fördern, mit denen ihrer Zerstörung ein Ende gesetzt werden kann. Die Organisation kooperiert mit großen Unternehmen, wie zum Beispiel adidas, Anheuser Busch InBev (Corona), American Express, mit der Republik der Malediven, den Vereinten Nationen, der Weltbank und Partnern aus den Bereichen Wissenschaft, Kunst, Mode, Design, Unterhaltung, Sport sowie Weltraum- und Meeresforschung. Ocean Plastic® umfasst Parleys Sortiment an Premium-Materialien. Diese werden aus recyceltem Plastikmüll und Fischfanggeräten hergestellt, welche von Parleys Global-Cleanup-Netzwerk und Partnern auf entlegenen Inseln, Küstengemeinden und -abschnitten gesammelt wurden.