Vollelektrisch auf die Hütt‘n

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Ob eine Berghütte auf 2.500 Metern, mitten im Wald oder in der Wüste. Es gibt so einige Orte, die mit konventionellen Fahrzeugen nicht oder nur schwer zu erreichen sind. Um Hütten mit Lebensmitteln und Getränken zu beliefern, durch die Sanddünen zu cruisen oder aber Forstarbeiten erledigen zu können, kommen deshalb ganz besondere Fahrzeuge zum Einsatz: Klein, geländegängig, robust – und bisher mit Verbrennermotor. Heiko Bölstler, Christoph Blum und Michael Ries, Gründer des Startups Mandrill Automotive, wollen das ändern. Zusammen mit ihrem Team produzieren sie vollelektrische Buggys, sogenannte E-UTV. Bei der Ladeinfrastruktur arbeiten und forschen sie gemeinsam mit ABB E-mobility. Wir haben Heiko zum Interview getroffen.

Heiko, was macht Mandrill eigentlich?

Bei Mandrill entwickeln wir Side-by-side-Fahrzeuge, das sind harte Offroad-Fahrzeuge. Bei uns kennt man sie eher unter dem Begriff Buggy. Da wir unsere Fahrzeuge sowohl für die berufliche Nutzung als auch für die Freizeit konzipieren, sind sie mit einer Ladefläche zum Arbeiten ausgestattet.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Wir kommen aus dem Automotive-Bereich und haben uns in unserem früheren Job kennengelernt. Schon dort hatten wir mit Elektroantrieben zu tun. Vor vier bis fünf Jahren kam uns dann die Idee eines Elektro-Buggys. Die Fahrzeuge kommen oft in der reinen Natur zum Einsatz. Trotzdem gibt es aktuell nur Fahrzeuge mit Verbrennermotor. Wir dachten: Das sollten wir ändern. So ist die Idee zu Mandrill entstanden – eigentlich erst mal als Hobby. Wir haben uns einen Prototyp gekauft, damals noch einen Verbrenner und nach Feierabend und im Urlaub angefangen, daran herumzuschrauben. Dafür haben wir schnell viel positiven Zuspruch erhalten – und uns entschieden Mandrill zu gründen.

Heiko Bölstler, CEO Mandrill Automotive GmbH

Von wem kam denn der Zuspruch? Wer sind eure potenziellen Kunden?

Die E-Buggys sollen zum Beispiel in der Land- und Forstwirtschaft zum Einsatz kommen, aber auch in Bergregionen, etwa zur Belieferung von Hütten, oder – ganz wo anders – in Wüstenregionen. Was uns dabei aufgefallen ist: Die Fahrzeuge müssen natürlich ausgestattet sein für alle professionellen Anwendungsfälle – aber bei den meisten Kunden darf auch der Fun-Faktor nicht zu kurz kommen. Unsere E-Buggys haben wir deshalb so geplant, dass sie sich auch für Freizeit-Touren oder Racing eignen.

 

E-Mobilität dringt gerade in alle Mobilitätsbereiche – wie sieht es denn im Bereich E-Buggys aus?

Weltweit gibt es aktuell lediglich zwei Herstersteller von E-Buggys, einer davon sind wir. Unser multifunktionaler Ansatz – sprich die Kombination aus professioneller, industrieller und Freizeit-Anwendung ist dabei ein Alleinstellungsmerkmal.

 

Jetzt bin ich aber schon neugierig: Wie sieht so ein Fahrzeug denn aus?

Optisch ähnelt es einem Verbrenner-Fahrzeug. Wir haben für unsere Anwendungsfälle aber einen komplett neuen Rahmen entwickelt. Hier ist unseren Kunden vor allem Stabilität wichtig. Denn wer sich mit der Fahrzeugklasse auskennt, weiß vielleicht, dass die Reparaturzeit hier gerne mal das 3-fache von der Fahrzeit beträgt.

Vorschau auf das neue Fahrzeug von Mandrill

Bei E-Mobilität ist Reichweitenangst immer noch ein Thema – wie sieht es bei euren Kunden aus?

Die Nutzung eines Buggys lässt sich natürlich nicht direkt mit der eines Autos vergleichen. Unsere Fahrzeuge haben eine Rechweite von bis zu 250 Kilometern. Das deckt schon den Großteil aller Anwendungsfälle ab. Zum Vergleich: 80 Prozent der Fahrzeuge fahren am Tag im Schnitt nur rund 100 bis 120 Kilometer, in der Landwirtschaft sogar nur bis zu 80. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt dabei bei 20 bis 25 km/h. Danach steht das Fahrzeug wieder – oft einige Tage. Da bleibt also genug Zeit zum Laden. Was vielmehr ein Thema ist, ist die Nutzung als Energiespeicher. Ob Berghütte oder Wüste, unsere Fahrzeuge sind oft dort unterwegs, wo Strom nur begrenzt zur Verfügung steht. Den kann ich mir dann aus dem Fahrzeug ziehen, um zum Beispiel meine Getränke zu kühlen, elektrische Werkzeuge für Arbeiten zu versorgen oder in einer abgelegeneren Hütte für ausreichend Strom zu sorgen.

 

Appropos laden: Wie werden eure Fahrzeuge geladen?

Unsere E-Buggys können sowohl AC von 6,5 bis 22 kW als auch DC bis 50 kW laden.

 

Und zwar mit ABB-Technik oder?

Das testen wir gerade, genau. Und dafür haben wir auch eine Partnerschaft mit ABB E-mobility geschlossen.

 

Warum habt ihr euch ABB E-mobility als Partner gesucht? Keine Lust mehr, selbst zu schrauben? 😉

Zumindest nicht an der Ladeinfrastruktur. ABB E-mobility ist ein führender Hersteller im Bereich Ladeinfrastruktur. Und was für uns auch wichtig ist: ABB deckt das gesamte Portfolio ab und kennt sowohl unsere Industriezweige als auch unsere weltweiten Märkte. Dieses Know-How ist enorm hilfreich für uns. Wir sind deshalb froh, dass wir ABB E-mobility als Partner gewinnen konnten.

 

Wie sieht diese Partnerschaft denn aus?

Wir möchten natürlich sicherstellen, dass unsere Fahrzeuge zuverlässig laden. Deshalb führen wir Ladetests durch und arbeiten gemeinsam an einer reibungslosen Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladegerät. ABB hilft uns hier nicht nur mit Expertise, sondern stellt auch Ladegeräte für die Tests bereit.

 

Wenn ihr jetzt beim Testen seid: Wie lange müssen alle, die nun Lust haben, durch die Dünen zu cruisen, sich noch gedulden, bis E-Buggys von Mandrill erhältlich sind?

Das dauert noch ein bisschen. Die gute Nachricht: Der Prototyp ist so gut wie fertig, Vorbestellungen sind ab Mitte nächsten Jahres möglich. 2025 wird es dann richtig spannend. Dann starten wir in Europa mit einer Kleinserie. Wir planen zudem, eine Lizenzfertigung, um unsere Produkte nicht nur hier, sondern auch weltweit z. B. in Nordamerika und den Vereinigten Arabischen Emiraten auf den Markt bringen zu können.

 

Wir sind auf jeden Fall gespannt! Eines musst du mir aber noch sagen: Auf eurem Logo ist ein Mandrill-Affe abgebildet. Was hat es mit dem Namen auf sich?

Genau, unser Firmenname ist eine Anspielung auf eine Affenart, die besonders aus einem Film bekannt ist. Kleiner Tipp: Dort hebt sie einen Löwen in die Luft. Für uns hat das einfach gepasst: Ein Mandrill steht für uns sinnbildlich für Kraft, aber auch Spaß. Er ist farbenfroh, auffällig und kommt als Kletteraffe überall hin.