Individuelle Möbel in nur 48 Stunden – dank automatisierter Produktion bei Speedmaster

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Maßgeschneiderte Möbel in 48 Stunden ab Werk. Genau das verspricht der Möbelteileproduzent Speedmaster seinen Kunden. Als „verlängerte Werkbank“ beliefert das Unternehmen aus Oberösterreich mehr als 21.000 Tischlereibetriebe mit Möbeln – und das in Rekordzeit. Die Individualität der Teile, seien es Möbelfronten, Arbeitsplatten oder komplette Küchen, ist eine weitere Stärke von Speedmaster. Jedes Möbelteil wird nach Wunschmaßen gefertigt. Die SRW Automation & Service GmbH schafft gemeinsam mit den Robotern von ABB die Voraussetzung für diesen hohen Automatisierungsgrad in der Produktion.

Skalierbarkeit dank Robotik: Von der Tischlerei zum Online-Shop

Was als klassische Tischlerei anfing, ist heute ein innovativer Produzent von Möbelteilen mit 300 Mitarbeitenden sowie zwei Standorten im oberösterreichischen Eberstalzell sowie im deutschen Steinsfeld. Möbelteile können online geplant, kalkuliert und bestellt werden. Bestellungen, die bis 13 Uhr eingehen, werden innerhalb der nächsten 48 Stunden produziert und anschließend versendet.

Aufgrund unserer großen Produktvielfalt können vor allem kleinere Tischlereibetriebe ihr Produktportfolio für den Endkunden stark ausweiten, ohne selbst in kostspielige Spezialmaschinen oder mehr Personal investieren zu müssen.“

Bernhard Holzer, Leiter Instandhaltung bei Speedmaster

Um die hohen Ansprüche an sich selbst mit höchster Effizienz und Qualität erfüllen zu können, setzt Speedmaster auf einen modernen Maschinenpark und vollautomatische Produktionsdurchläufe.

Angefangen von der Konfektionierung der Möbelteile im Onlineshop bis hin zur Rechnungslegung ist mittlerweile der gesamte Datenfluss durchgängig digital, ohne dass man die Aufträge noch manuell bearbeiten müsste. Auch in der Produktion greifen alle Fertigungsprozesse wie feine Rädchen in einem Uhrwerk ineinander. Unser eigens entwickeltes ERP-System verbindet den Onlineshop direkt mit dem Maschinenpark – vom computergesteuerten Lager, das tausende verschiedene Platten in den unterschiedlichsten Dekoren verwaltet, bis hin zu sämtlichen Bearbeitungsmaschinen.“

Bernhard Holzer, Leiter Instandhaltung bei Speedmaster

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Über zwei Etagen sorgen vier ABB-Roboter für einen optimalen Teilefluss zwischen den Holzbearbeitungsmaschinen. (Bild: x-technik)

ABB-Partner SRW: Experten für Fertigungs- und Montageautomatisierung

Die SRW Automation & Service GmbH unterstützt dieses Vorhaben mit modernen Automatisierungslösungen. Das ebenfalls aus Oberösterreich stammende Unternehmen konzipiert kundenspezifische Lösungen in Kombination mit komplexer Robotik in den Bereichen Fertigungs- und Montageautomatisierung. Auch bei Speedmaster sorgt eine Automatisierungslösung von SRW für höchste Produktivität. Ziel war es, die Produktion so weit zu automatisieren, dass Teile diese vollautomatisch durchlaufen können. SRW holte bei diesem Projekt ABB mit ins Boot.

Als systemunabhängiger Integrator wählen wir für jedes Automatisierungsprojekt das jeweils optimale Produkt, auch in der Robotik. Für den Anwendungsfall bei Speedmaster hat sich nach den ersten Berechnungen und Simulationen rasch herausgestellt, dass es zum damaligen Zeitpunkt nichts Vergleichbares gab"

Andreas Stummer, CTO bei SRW

In der Planungsphase erstellte SRW einen digitalen Zwilling der Anlage, um schon vor der Umsetzung Fehlerpotenziale zu minimieren. Trotz der virtuellen Inbetriebnahme war es eines die herausforderndsten Projekte für SRW. Die engen Platzverhältnisse machten ein cleveres Anlagen-Layout erforderlich. Der Teiletransport wurde daher über zwei Etagen gelöst. Dabei kommen die einzelnen Rohformatplatten kommissioniert aus dem Lager und werden im Anschluss auf einer Fördereinheit etikettiert. Mittels eines Manipulators werden sie zunächst auf den jeweiligen Arbeitstisch der beiden Nesting-Maschinen gelegt, wo sie individuell zugeschnitten, gebohrt und gefräst werden. Anschließend werden die Schnittmuster per Linearportale auf ein Förderband auf drei Meter Höhe gelegt. Bei den nächsten Schritten kommen die Roboter von ABB zum Einsatz.

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Der zweite ABB-Roboter IRB 6700 legt die vereinzelten Zuschnitte auf eine Rollenfördereinheit der unteren Etage im Bereich der Kantenleimmaschinen ab. (Bild: x-technik)

Das gesamte Schnittmuster kommt auf ein weiteres Förderband, wo ein ABB-Roboter des Typs IRB 6700 jedes einzelne Teil in die für den nächsten Bearbeitungsschritt korrekte Position dreht und es dann an das nächste Förderband übergibt. Der IRB 6700 kombiniert eine Traglast bis 150 Kilogramm mit einer Reichweite von 3,2 Metern sowie einer hohen Geschwindigkeit. Der zweite Roboter, ebenfalls ein IRB 6700, legt die zuvor vereinzelten Zuschnitte wieder auf eine Fördereinheit der unteren Etage. Unten angekommen gelangen die Teile zu den Kantenleimmaschinen, wo die vier Teileseiten automatisch bekantet werden. Der ABB-Roboter IRB 6620 handhabt dabei die Zuschnitte. Fertig bearbeitet kommen sie über einen Riemenförderer erneut zu einem IRB 6700, welcher die Teile schließlich aus der Anlage schleust und von wo sie dann zu einer weiteren Maschine transportiert werden.

Individualisierung und Automatisierung Hand in Hand

Eine weitere Hürde im Projektverlauf war, die große Teilevielfalt mit einer Losgröße-1-Produktion zu vereinbaren. Der hohe Individualisierungsgrad ermöglicht es theoretisch, Teile im Online-Shop so zu konfigurieren, dass sie vier unterschiedliche Kantenfarben haben. Daher müssen alle Kundenwünsche fertigbar sein und gleichzeitig ein automatisierter Teilefluss sichergestellt werden. So muss beispielsweise bereits beim Schnittmustertransport die Reihenfolge bei der Bearbeitung der Teileseiten in den Kantenleimmaschinen bedacht werden. Die Vielfalt der Teile erschwert auch deren Handling. Je nach Möbelteil muss der Roboter bei der Vereinzelung Teile von 80 x 120 bis zu 2.800 x 2.070 Millimetern greifen. Der IRB 6700 Roboter von ABB verfügt über eine Greiferlösung mit 17 verschiedenen Saugkreisen, welche über die SPS und Robotersteuerung nach Bedarf angesteuert werden können.

Speedmaster produziert aktuell rund die Hälfte der Möbelteile auf der SRW-Lösung. Die andere Hälfte wird auf manuell be- und entladenen Maschinen gefertigt. Ein Performancevergleich zeigt, dass die manuell gehandhabten Maschinen um bis zu 30 Prozent hinterherhinken.