Trondheim: Auf dem Weg zur klimapositiven Stadt

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Bereits heute wohnen mehr als die Hälfte aller Menschen weltweit in städtischen Gebieten – eine Entwicklung, die sich laut Zukunftsforschern noch verstärken wird. Doch die zunehmende Urbanisierung hat bedeutende Auswirkungen auf die Ökobilanz. Denn durch ihren erheblichen Verbrauch an Wasser, Rohstoffen und insbesondere Energie für Wirtschaft, Industrie, Haushalte und Transportwesen leisten urbane Zentren einen überdurchschnittlichen Beitrag zum globalen Ressourcenverbrauch. So verblüfft es nicht, dass Städte für etwa drei Viertel der globalen CO2-Emissionen verantwortlich sind. Die Energiewende muss folglich auf kommunaler Ebene angepackt werden. Die norwegische Stadt Trondheim geht im Rahmen der Initiative +CityxChange mit gutem Beispiel voran. 

Trondheim: Geschichte und Moderne

Trondheim ist eine faszinierende Mischung aus historischem Charme und Innovation. Berühmt ist die Stadt, die im Mittelalter die Hauptstadt Norwegens war, für den Nidarosdom, ein architektonisches Meisterwerk. Nicht minder berühmt ist die in Trondheim verwurzelte norwegische Universität für Wissenschaft und Technologie  (NTNU). Mit über 40.000 Studierenden ist die NTNU nicht nur die größte Universität Norwegens, sondern nimmt auch die führende Rolle im Bereich Umweltforschung und Umweltwissenschaften in Norwegen ein.  

So wundert es nicht, dass Trondheim in Sachen Klimaschutz ambitionierte Ziele hat: Die norwegische Universitätsstadt will in ausgewählten Stadtquartieren mehr grüne Energie produzieren als zu verbrauchen! Technologiepartner für das klimapositive Smart Grid der Zukunft ist ABB mit der intelligenten Energiemanagement- und -optimierungslösung ABB Ability OPTIMAX.   

 

Vorreiter in Europa

Trondheim ist eine von insgesamt sieben europäischen Städten, die an der von der EU finanzierten Initiative +CityxChange teilnehmen, um fortschrittliche Energielösungen für die nachhaltige Stadtentwicklung der Zukunft zu testen. Die Kommune hat in den Stadtvierteln Brattøra und Sluppen sogenannte „Positive Energy Blocks“ (PEB) errichtet. Diese bestehen aus verschiedenen Gebäuden und Einrichtungen, einschließlich Bürokomplexen, kleinen Industrieunternehmen, Ladestationen für PKWs und Busse, Wohnblöcken und dem größten Plusenergiehaus Norwegens. Das Charakteristische dieser Blocks ist, dass ihr jährlicher Energieverbrauch insgesamt geringer ist als die vor Ort erzeugte Energiemenge, die durch Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und die Nutzung von Abwärme generiert wird. 

Hintergrundinformationen zur EU finanzierten Initiative +CityxChange

Im Rahmen der +CityxChangeInitiative experimentieren sieben europäische Städte, wie sich mithilfe von innovativen Technologien klimapositive Stadtviertel und lokale Energiemärkte etablieren lassen. Gefördert wird das Projekt durch die Europäische Union und ihr Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020. Insgesamt 32 Unternehmen und Organisationen – darunter ABB Norwegen – sind an der Initiative unter der Leitung der norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) beteiligt. 

Für ein effizientes Energiemanagement, das flexible Lasten regelt, sind die Gebäude und Anlagen der Betreiber in Trondheim miteinander vernetzt. Das Kernstück des Trondheimer Smart Grids bildet ABB Ability Energy Management and Optimization OPTIMAX. Diese intelligente Lösung für Energiemanagement und -optimierung ermöglicht mit ihrer vorausschauenden Planungsfunktion eine automatische Messung, Echtzeitüberwachung und ressourcenschonende Steuerung der multidirektionalen Energieflüsse in den beiden Positive Energy Blocks (PEB). Das adaptive System analysiert die Verbrauchsdaten der beteiligten Unternehmen, berücksichtigt Wettervorhersagen und bezieht aktuelle Informationen über verfügbare Strommengen mit ein. Überproduzierte Energie wird seit Juli 2022 entweder gespeichert oder über eine neu entwickelte lokale Handelsplattform der Stadt veräußert. 

Premiere: Europas erstes Peer-to-Peer-Trading

Für Sleman Saliba, der bei ABB den Bereich Energiemanagement und -optimierung verantwortet, ist das neuartige Peer-to-Peer-Trading von Trondheim bahnbrechend. „Statt abzuregeln können die Verwaltung und die angeschlossenen Immobilienunternehmen, Anlagen- und Parkhausbetreiber ungenutzte grüne Energie anderen Marktteilnehmern aus der Nachbarschaft zur Verfügung stellen“, erläutert der Energieexperte das innovative Konzept.  

Effizientes Energiemanagement regelt flexible Lasten

Benötigt etwa ein Gebäude innerhalb der nächsten Stunde zwei Kilowatt weniger Energie benötigt als normalerweise, sendet OPTIMAX eine entsprechende Information an die Trading-Plattform. Diese Plattform koordiniert Angebot und Nachfrage. Wenn ein Handel zustande kommt, verringert das betroffene Gebäude seinen Energieverbrauch. OPTIMAX verteilt dann automatisch und in Echtzeit die freigewordenen Kapazitäten an die Anlagen, die das Angebot angenommen haben. Derzeit erhalten Verkäufer für ihre bereitgestellte Energie eine Aufwandsentschädigung. In der nächsten Entwicklungsphase des Systems soll es möglich sein, die Preisgestaltung individuell zu bestimmen. 

„Mit modernster Energieoptimierung und der Integration von OPTIMAX mit dem bahnbrechenden Prototyp bidirektionaler EV-Ladegeräte weist ABB den Weg zu einer integrierten Zukunft lokaler Energie- und Flexibilitätsmärkte”  

Marius Lauvland – Projektmanager +CityxChange  

Bisheriges Handelsvolumen: 118 Millionen Kilowatt

Laut Angaben des Plattformbetreibers ANEO, ehemals Trønderenergi, sind zwischen Juli 2022 und Mai 2023 insgesamt rund 118 Millionen Kilowatt über den digitalen Marktplatz „verkauft“ worden. Aus Sicht von Sleman Saliba ein echter Gewinn – nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell: „Lokale Energiemärkte wie der in Trondheim reduzieren nicht nur den Ausbaubedarf der Stromnetze und ermöglichen so eine kostenoptimierte Energiewende. Gleichzeitig beschleunigen sie die Transformation hin zu einer klimapositiven Smart City der Zukunft.“ 

Die Zukunft: dezentrale Kraftwerke

In der Zukunft wird der Energiemarkt von kleinen, dezentralisierten und autonomen Stromerzeugungseinheiten anstelle von großen, zentral gesteuerten Kraftwerken dominiert. Die Steuerung solcher komplexen Netze erfordert intelligente Energiemanagementsysteme, wie beispielsweise ABB Ability OPTIMAX.