125 Jahre ABB in Deutschland – Meilensteine der Innovation

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Intro

Von der Dampfturbine zum digitalen Energiesystem: Seit 125 Jahren prägt ABB mit bahnbrechenden Innovationen die technologische Entwicklung in Deutschland und der ganzen Welt. Seit der Eröffnung des BBC-Werks in Mannheim-Käfertal am 15. Juni 1900 wurden an den deutschen Standorten Erfindungen entwickelt und technologischen Durchbrüche erreicht, die nicht nur die Industrie revolutioniert haben: Sie haben auch unseren Alltag verändert.

Von den ersten selbstentwickelten Turbinen über den Stotz-Sicherungsautomaten bis hin zu modernsten Lösungen für die Energiewende – die Innovationen aus Deutschland haben ABB zu einem globalen Technologieführer gemacht. Dieser Rückblick auf 125 Jahre zeigt einige der Meilensteine unserer Innovationsgeschichte, die wir auch in Zukunft fortschreiben werden.

1900: Von der Turbinen- zur Bahntechnik

Nach dem erfolgreichen Aufbau des Turbinenwerks in Mannheim, das bereits seit 1900 Dampfturbinen produzierte und weiterentwickelte, wagte BBC 1908 einen Schritt zur Diversifizierung: Das Unternehmen begann im Mannheimer Werk mit der Entwicklung und dem Bau elektrischer Ausrüstung für Schienenfahrzeuge. Die dabei eingesetzte Expertise aus der Turbinenentwicklung – besonders im Bereich der Hochleistungsgeneratoren und Energieübertragung – ermöglichte BBC den erfolgreichen Einstieg in die Bahntechnik. Die ersten elektrischen Antriebssysteme für Lokomotiven markierten den Beginn eines Geschäftsbereichs, der bis heute zu den Kernkompetenzen von ABB zählt.

Eine prägende Innovation: Die Erfindung des Roebel-Stabs revolutionierte den Generatorenbau.

1912: Der Roebel-Stab revolutioniert die Elektrotechnik

Am Mannheimer Standort entwickelt der Ingenieur Ludwig Roebel eine bahnbrechende Innovation, die bis heute die Elektrotechnik prägt: den Roebel-Stab. Diese spezielle Konstruktion für Wicklungen in elektrischen Maschinen minimiert Wirbelstromverluste und verbessert die Stromverteilung erheblich. Die Erfindung ermöglicht den Bau deutlich leistungsstärkerer und effizienterer Generatoren und Motoren – ein entscheidender Durchbruch für die Energieerzeugung in Kraftwerken. Dank des Roebel-Stabs wurde es möglich, preiswert elektrischen Strom in nahezu beliebiger Menge herzustellen – was schlussendlich dafür sorgte, dass elektrische Energie in immer mehr privaten Haushalten und im Gewerbe zum Einsatz kam.

1924: Der Stotz-Sicherungsautomat prägt die Industriegeschichte

Der gelernte Elektrotechniker Hugo Stotz bietet in seinem kleinen Ladengeschäft in Mannheim Installationsarbeiten und mehr an. Sein Geschäft läuft gut: 1912 verkauft er sein Unternehmen und wird Teil der BBC. Elektrizität ist das Thema der Stunde, doch mit der zunehmenden Verbreitung kommt es auch immer häufiger zu Bränden aufgrund elektrischer Defekte. 1924 gelingt Hugo Stotz hier der Durchbruch: Der Unternehmer entwickelt den weltweit ersten Sicherungsautomaten mit thermisch-magnetischer Auflösung. Diese Innovation ist mehr als eine technische Erfindung: Sie revolutioniert die Sicherheit elektrischer Anlagen. Der Stotz-Sicherungsautomat leistet einen entscheidenden Beitrag zur sicheren Elektrifizierung, das Vertrauen in die Elektrizität wuchs und machte sie für breitere Bevölkerungsschichten zugänglich. Im Gegensatz zu herkömmlichen Sicherungen lässt sich der Stotz-Automat nach einem Kurzschluss einfach wieder einschalten. Die Technologie wird zum internationalen Standard und ist bis heute in praktisch jedem Sicherungskasten zu finden.

1930er Jahre: Erste Schritte in der HGÜ-Technologie

BBC beginnt am Mannheimer Standort mit der Grundlagenforschung zur Hochspannungs-Gleichstromübertragung. Ingenieure entwickeln neuartige Gleichrichter und Umrichter, die Wechselstrom in Gleichstrom umwandeln können – die Basis für spätere Durchbrüche in der Energieübertragung.

Historische Stromrichterproduktion bei BBC: In den 60er Jahren begann die Entwicklung der zukunftsweisenden Halbleitertechnik.

1960er Jahre: Pionierarbeit bei DC-Stromrichtern

BBC entwickelt sich zu einem Innovationszentrum für die DC-Stromrichtertechnologie, die bis heute eine zentrale Rolle in der Industrie spielt. In den 1960er Jahren vollzog sich ein revolutionärer Technologiewandel: Während 1965 noch Quecksilberdampf-Gleichrichter auf ihrem Höhepunkt produzierten wurden, begann gleichzeitig die Entwicklung der zukunftsweisenden Halbleiter-Technik, bei der BBC eine Vorreiterrolle einnahm. Die ersten Stromrichter auf Silizium-Basis wurden in den 1960er Jahren entwickelt und läuteten eine neue Ära ein. Mit der Einführung der Thyristortechnik konnte die Leistungsfähigkeit und Effizienz der Anlagen deutlich gesteigert werden. Diese Innovationen bildeten die Grundlage für zahlreiche industrielle Anwendungen – von Walzwerken und der Papierindustrie bis hin zu modernen Energieanlagen. Heute setzt ABB diese Tradition fort und treibt weiterhin Innovationen in diesem Bereich voran.

1970er Jahre: Durchbrüche in der Automatisierungstechnik

BBC Deutschland entwickelt fortschrittliche Steuerungssysteme und elektrische Antriebstechnik, die wichtige Grundlagen für moderne Fertigungssysteme bilden. Diese Technologien legten den Grundstein für den späteren Erfolg im Bereich der industriellen Automatisierung.

Das Prozessleitsystem Freelance steht für ABBs Anspruch, innovative Technik praxisnah in den Markt zu bringen – und hat weltweit tausende Anlagen effizienter gemacht.

1994: Das Freelance-System – Symbol der erfolgreichen Integration

In den 90er Jahren bringt „Hartmann & Braun“ das Prozessleitsystem Digimatic auf den Markt– eines der ersten Systeme, das auf PC-Technologie und offenen Standards basiert. Das Unternehmen wird in den folgenden Jahren vollständig in den ABB-Konzern integriert, und das Prozessleitsystem im Rahmen der globalen Markteinführung in „Freelance“ umbenannt. Diese Innovation revolutioniert die industrielle Prozessautomatisierung für mittelgroße Anlagen – und wurde über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt.

2000er Jahre: Synchronreluktanzmotoren für höchste Energieeffizienz

ABB Deutschland spielte eine führende Rolle bei der Entwicklung hocheffizienter Synchronreluktanzmotoren Anfang der 2000er Jahre. Mit der Erreichung der Energieeffizienzklasse IE5 gelang ab 2010 der Durchbruch im Bereich für industrielle Antriebe – eine wichtige Innovation für die Energiewende und Nachhaltigkeit in der industriellen Produktion. Heute ist ABB noch einen bedeutenden Schritt weiter: Bereits 2024 stellte ABB unter Beweis, dass IE6 möglich ist.

2010er Jahre: Technologien für die Energiewende

Deutsche ABB-Standorte entwickeln Schlüsseltechnologien für die Energiewende: von intelligenten Netzsteuerungssystemen über Lösungen zur Integration erneuerbarer Energien bis hin zu Ladeinfrastruktur für Elektromobilität. Ein besonderer Schritt: die HGÜ-Technologien zur Anbindung von Offshore-Windparks wie BorWin1 – die weltweit erste HGÜ-Verbindung für einen Offshore-Windpark. Auch im Bereich Elektromobilität setzte ABB mit seinen Terra-Schnellladesäulen neue Standards, die Ladezeiten deutlich verkürzten und damit den Durchbruch der E-Mobilität unterstützten. Diese Innovationen leisten einen entscheidenden Beitrag zur Transformation des deutschen Energiesystems.

2015: Neuer Meilenstein der Mensch-Roboter-Kollaboration

Mit YuMi, dem weltweit ersten wirklich kollaborativen Zweiarm-Roboter, beginnt 2015 eine neue Ära in der Automatisierung. YuMi wurde speziell dafür entwickelt, sicher und direkt mit Menschen zusammenzuarbeiten – ohne Schutzzaun und mit hochpräziser Bewegungssteuerung. Die Entwicklung war ein internationales Gemeinschaftsprojekt, in das auch das Know-how deutscher ABB-Standorte einfloss – insbesondere im Bereich der industriellen Robotik und Fertigungsautomatisierung. YuMi (kurz für „You and Me“) steht exemplarisch für unseren Innovationsgeist: Er verbindet Spitzentechnologie mit einem menschenzentrierten Ansatz in der Industrie 4.0. Heute wird YuMi weltweit in der Elektronikmontage, im Maschinenbau und sogar in Bildungs- und Forschungseinrichtungen eingesetzt.

Innovation bleibt unser Antrieb

Auch nach 125 Jahren steht ABB in Deutschland nicht still – im Gegenteil. Mit dem Prozessleitsystem 800xA, modernen KI-Anwendungen und zahlreichen digitalen Lösungen gestalten wir aktiv die Zukunft der Industrie. Unser Forschungszentrum in Ladenburg ist dabei ein zentraler Innovationstreiber und arbeitet stetig an neuen Technologien – immer mit dem Ziel, unsere Kunden weltweit mit intelligenten, nachhaltigen und zukunftsfähigen Lösungen zu unterstützen.