Laborautomation: Produktiv und sicher dank Robotik

Gefällt mir
Bookmark
Intro

Beim Gedanken an Labore denken die meisten an weiße Kittel, Schutzbrillen, Zentrifugen und weitere Analysegeräte. In modernen Laboren findet sich vieles davon wieder. Nur die Kittel werden zusehends rar – Stichwort: Fachkräftemangel. Stattdessen bewegen sich in großen wie kleinen Einrichtungen dieser Art immer mehr Roboterarme und unterstützen das Laborpersonal. Oft mit von der Partie: Roboter von ABB. Wieso und wo die Lösungen heute zum Einsatz kommen, berichtet Max Novotny, Experte für Laborautomation, im Gespräch mit unserem Redaktionsteam.

Herr Novotny, immer mehr Branchen, darunter die Logistik und der Bausektor, setzen auf Robotik und Automatisierung. In jüngster Zeit lassen sich auch mehr und mehr Einsatzbeispiele in Laboren beobachten. Um welche Labore handelt es sich dabei, und warum ist Robotik für diese eine Technologie mit Zukunft?

Max Novotny: Labore gibt es in unterschiedlichen Branchen, von Forschungslaboren in der pharmazeutischen Industrie bis hin zu Qualitätslaboren im produzierenden Gewerbe und Testeinrichtungen in der Diagnostik. Dort stehen verschiedene Aufgaben an – mit je eigenen Anforderungen ans Personal. Während Mitarbeitende in einem Forschungslabor kleine Mengen an Proben sehr flexibel handhaben, steht in Qualitätslaboren ein hoher Durchsatz bei geringer Varianz im Vordergrund. Hinzu kommen Nachtschichten, da vor allem in diagnostischen Testlaboren Analysen rund um die Uhr erfolgen. Dies erfordert zusätzliches Personal und einen potenziell belastenden Arbeitsrhythmus. Was für uns Menschen schnell repetitiv oder ermüdend werden kann, ist für eine Maschine kein Problem. Aus diesem Grund setzen immer mehr Labore auf Industrieroboter und kollaborative Roboter (Cobots) – und damit auf unsere Technologie.

ABB hat sich fest am Robotik-Markt etabliert und nimmt in der Laborwelt weiter an Fahrt auf. Wie kam es dazu?

Überall dort, wo Roboter Menschen unterstützen können, sehen wir für unsere Lösungen großes Potenzial. 2019 kamen wir über eine Kooperation mit dem Texas Medical Center (TMC) in Houston erstmals mit der Laborautomation in Berührung. Über weitere Bedarfe in Europa erkannten wir zusätzliches Entwicklungspotenzial. Seither haben wir viele Labore weltweit dabei unterstützt, flexibler, produktiver und sicherer zu arbeiten.

Das klingt nach einer spannenden Aufgabe. Was reizt Sie besonders an ABB?

Eben dieses internationale Umfeld. Ich lerne nicht nur Menschen unterschiedlicher Kulturen kennen, sondern auch verschiedene Ansätze zur Umsetzung komplexer Projekte. Mir gefällt es sehr, laufend andere Unternehmen und Industriezweige zu erkunden – ob als Projektleiter am Anfang meiner Karriere oder jetzt im Vertrieb. Diese Einblicke helfen ungemein dabei, Gesamtanlagen zu planen und grenzübergreifend zu arbeiten.

Gerade in Deutschland trifft ABB den Nerv der Zeit: Labore schließen, es fehlt an geschultem Personal. Retten Roboter damit ganze Branchen?

Sie leisten zumindest einen wichtigen Beitrag dazu, dass wichtige Aufgaben nicht auf der Strecke bleiben und der Service fortbesteht – trotz fehlender Kapazitäten. Gerade in Forschung und Diagnostik fehlt es an medizinischen Technologinnen und Technologen. Hier füllen Roboter wie unser Cobot GoFa eine akute Lücke: Sie führen beispielsweise Proben Prüfgeräten zu oder entnehmen Probenröhrchen nach erfolgter Analyse – stets so, dass sie Laborabläufe nicht stören.

Max Novotny, Sales Manager, Service Robotics

Meist sind Roboter in Laboren in eine Gesamtlösung integriert. Geht das Know-how von ABB hier über die Robotik hinaus?

Ein Roboter kommt selten allein, das stimmt. Wir denken stets in Komplettlösungen, die die Laborabläufe unserer Kunden maximal optimieren. Dazu gehören auch unsere Lab-Table-Lösungen, die wir in zwei Varianten zusammen mit Diagnostikexperten wie MVZ Medizinische Labore Dessau Kassel GmbH, Roche und Sysmex entwickelt haben. Es handelt sich stets um Sonderkonstruktionen, die einen oder mehrere Roboter – etwa beim Lab Table II – mit spezifischen Analysegeräten umfassen. Die Lab Tables bieten hochwertige Technologie bei geringer Stellfläche, können rund um die Uhr betrieben werden und lassen sich per Fernwartung überwachen.

Kunden möchten Flexibilität, aber auch sehr spezifische Anwendungen, wie der Lab Table zeigt. Wie bringt ABB beides unter einen Hut?

Indem wir stets eng und möglichst vor Ort mit unseren Auftraggebern zusammenarbeiten. Wir schauen uns dazu die Räumlichkeiten an, erfassen die Anforderungen und raten anschließend zur passenden Laborautomatisierung. Die Anforderungen unserer Kunden haben dabei stets Priorität und führen uns weit über den Lab-Table-Ansatz hinaus. Im Bereich der mobilen Robotik haben wir ebenso erfolgreiche Projekte realisiert. Das chinesische Unternehmen XtalPi etwa bietet Lösungen, um F&E-Prozesse in der Biopharmazie, der Chemietechnik und Chemie zu beschleunigen. Dazu gehört auch eine automatisierte Laborlogistik: Mit GoFa-Cobots ausgestattete autonome mobile Roboter (AMR) transferieren dabei etwa Proben automatisch zwischen Arbeitsstationen.

Was raten Sie Unternehmen, die am Anfang ihrer Automatisierungsreise stehen?

Erst digitalisieren, dann automatisieren. Um Roboter effizient einsetzen zu können, müssen relevante Labor- oder Produktionsdaten in digitaler Form vorliegen. Es sollte auch Mitarbeitende geben, die sich für die Robotik verantwortlich fühlen und beispielsweise andere Kollegen mit der neuen Technologie vertraut machen. An einer unterbrechungsfreien Stromversorgung, kurz USV, führt ebenfalls kein Weg vorbei. Diese gewährleistet bei Ausfällen, dass kritische Systeme noch eine Weile funktionieren. Passende Lösungen bieten unsere Kolleginnen und Kollegen aus dem Geschäftsbereich Elektrifizierung. Damit erhalten unsere Kunden umfassende Kompetenz aus einer Hand.

„Ein Roboter kommt selten allein. Wir denken stets in Komplettlösungen, die die Laborabläufe unserer Kunden maximal optimieren.“

Max Novotny, Sales Manager, Service Robotics

Zur Person

Max Novotny begeisterte sich früh für Mathematik, Physik, Mechatronik – und kam nach dem Studium derselben zu ABB. Das Unternehmen hatte der Absolvent seit geraumer Zeit im Blick – und freute sich, als auf ein schnelles Bewerbungsverfahren die Zusage folgte. An ABB schätzt er bis heute das internationale Umfeld, in dem er sich als Vertriebsexperte bewegt, und natürlich die Robotik. Wie die Cobots ist die Technologieentwicklung ständig in Bewegung und sorgt laufend für neue Impulse.