RobotWare 8: Sicherheit bekommt ein Update

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RobotWare 8 macht ABB-Roboter fit für neue Anforderungen an funktionale Sicherheit, Cybersicherheit und vernetzte Automatisierung. Warum das modulare Betriebssystem für die OmniCore-Robotersteuerung weit mehr ist als ein Software-Update.

Roboterzellen werden flexibler, vernetzter und intelligenter. Sie arbeiten mit digitalen Tools zusammen, lassen sich aus der Ferne einrichten, werden in größere Anlagenverbünde integriert und übernehmen Aufgaben, die vor wenigen Jahren noch kaum automatisierbar waren. Für die Industrie bedeutet diese Vernetzung einen großen Schritt nach vorn. Zugleich verändert sie aber den Blick auf Sicherheit: Was früher vor allem mechanisch gedacht wurde, muss heute als Zusammenspiel aus Hardware, Software, Daten, Zugriffen und Bedienkonzepten verstanden werden.

Genau an dieser Stelle verschiebt sich auch der regulatorische Rahmen. Die neue EU-Maschinenverordnung ist ab dem 20. Januar 2027 verpflichtend anzuwenden. Mit dem Cyber Resilience Act rückt zudem ein weiteres Regelwerk in den Fokus, das Cybersicherheit für Produkte mit digitalen Elementen verbindlich adressiert. Für Maschinenbauer, Integratoren und Betreiber entsteht damit ein Umfeld, in dem funktionale Sicherheit, Cybersecurity, Software-Updates und Dokumentation enger zusammengehören.

In der Robotik ist dabei vor allem die überarbeitete ISO 10218-1:2025 entscheidend. Sie beschreibt Anforderungen an die Sicherheitsfunktionen von Industrierobotern, die sich auf Bedienung, Inbetriebnahme und Integration auswirken. ABB Robotics reagiert darauf mit RobotWare 8, dem modularen Betriebssystem für die OmniCore-Robotersteuerung. Die neue Softwaregeneration übersetzt zentrale Anforderungen der Norm direkt in die Steuerungsplattform. Für Anwender ist das vor allem aus einem Grund relevant: Bei den unterstützten OmniCore-Steuerungen lassen sich die notwendigen Funktionen über RobotWare 8 bereitstellen, ohne die Steuerungshardware grundsätzlich austauschen zu müssen.

Sicherheit steckt in der Steuerung

Im Kern geht es darum, Sicherheit nicht als zusätzliche Schicht über die Anlage zu legen, sondern tief in Steuerung, Bedienung und Bewegungsabläufe zu integrieren.

Ein Beispiel dafür ist SafeMove, die Softwarelösung von ABB Robotics für sicher überwachte Roboterbewegungen. Mit RobotWare 8 wird eine gültige SafeMove-Sicherheitskonfiguration zur Voraussetzung für die Bewegung des Roboters. Die reduzierte Geschwindigkeit im manuellen Betrieb wird überwacht und es werden Bewegungen blockiert, wenn die erforderliche Sicherheitskonfiguration nicht vorhanden ist. Sicherheit wird damit nicht erst durch nachgelagerte Maßnahmen hergestellt, sondern ist Bestandteil der Bewegungsfreigabe.

Was regeln EU-Maschinenverordnung und Cyber Resilience Act?

Die EU-Maschinenverordnung aktualisiert die Anforderungen an Maschinen und Anlagen im europäischen Binnenmarkt. Sie berücksichtigt stärker als bisher Themen wie Software, digitale Dokumentation, künstliche Intelligenz und Cybersecurity. Der Cyber Resilience Act ergänzt diesen Rahmen mit Anforderungen an Produkte mit digitalen Elementen – etwa zu Schwachstellenmanagement, Updates und sicherer Kommunikation.

Wer darf den Roboter steuern?

Besonders deutlich wird der Wandel beim Thema Steuerstellen. Moderne Roboterzellen werden längst nicht mehr ausschließlich über ein lokales Bediengerät gesteuert. Neben dem mobilen Handbediengerät FlexPendant können SPS, externe Bedienfelder, Engineering-Tools oder weitere Systeme auf die Robotersteuerung zugreifen. Damit steigt das Risiko unklarer Zuständigkeiten: Wer darf den Roboter bewegen? Wer darf Programme ändern? Wer darf eine Sicherheitskonfiguration anpassen?

RobotWare 8 führt dafür das Prinzip des „Single Point of Control“ konsequent weiter. Zu einem bestimmten Zeitpunkt darf nur eine Steuerstelle die Kontrolle über bewegungsauslösende oder sicherheitsrelevante Funktionen haben. Der bisherige Gedanke der Mastership wird durch ein Konzept des Schreibzugriffs ersetzt. Dieser Schreibzugriff wird bewusst vergeben, bleibt auch bei einem Neustart oder einem Wechsel der Betriebsart erhalten und muss für den Bediener sichtbar sein.

Der Hintergrund ist schnell erklärt: Befindet sich ein Bediener mit dem FlexPendant in der Roboterzelle, darf keine externe Stelle unbemerkt die Kontrolle übernehmen und eine Bewegung auslösen. Was früher häufig automatisch über die SPS geregelt wurde, erfordert künftig eine bewusste Freigabe. Erst wenn der lokale Bediener den externen Zugriff erlaubt, kann eine übergeordnete Steuerung Schreibzugriff anfordern. Damit wird aus einem technischen Automatismus ein nachvollziehbarer Sicherheitszustand.

Bewusste Stopps und Neustarts

Auch beim Stoppen und Wiederanlaufen werden die Abläufe klarer. RobotWare 8 unterscheidet zwischen Programmpause, Normal-Stop, Sicherheitshalt und Not-Halt. Der neue Normal-Stop bringt den Roboter kontrolliert zum Stillstand, ohne dafür Not-Halt-Taster oder Schutztüren zu nutzen – also jene Einrichtungen, die echten Gefahrensituationen vorbehalten bleiben sollten.

Nach einem Normal-Stop, einer Sicherheitsverletzung, einer Betriebsartänderung oder einem Neustart verhindert eine Start- und Wiederanlaufsperre, dass der Roboter unerwartet wieder anläuft. Erst ein bewusster Reset macht das System wieder startbereit. In Anlagen mit mehreren mechanischen Einheiten sorgt zudem die Funktion „Simultaneous Motion“ für eindeutigere Zustände: Im manuellen Modus können nur die ausgewählten Einheiten bewegt werden. Das reduziert Risiken beim Einrichten, Testen und Wiederanfahren von Zellen, in denen mehrere Roboter, Achsen oder Positionierer über eine Steuerung zusammenarbeiten.

„Sicherheit endet heute nicht mehr am Schutzzaun. In vernetzten Anlagen müssen Bewegung, Zugriff und Kommunikation zusammen gedacht werden.“

Thomas Dedecke, ABB Robotics

Cybersecurity als Teil des Maschinenbetriebs

Die neue Maschinenverordnung und der Cyber Resilience Act machen deutlich, dass Sicherheit heute nicht mehr am Schutzzaun endet. Roboter sind Teil vernetzter Produktionsumgebungen, werden über Engineering-Tools konfiguriert, tauschen Daten aus und erhalten Updates. Damit werden Zugriffsschutz, Authentifizierung, sichere Kommunikation und Update-Prozesse zu festen Bestandteilen eines sicheren Maschinenbetriebs.

RobotWare 8 greift diese Entwicklung bereits auf – etwa durch differenzierte Benutzerverwaltung, klar geregelte Zugriffsrechte und Möglichkeiten, Kommunikationswege gezielt abzusichern. Auf der Kommunikationsebene bleibt der Austausch mit übergeordneten Steuerungen notwendig. Zugleich muss aber sichergestellt sein, dass nur die vorgesehenen Signale durchkommen und keine unerwünschten Zugriffe oder Schadcodes eingeschleust werden. Cybersecurity wird damit nicht als Zusatzthema verstanden, sondern als Bestandteil moderner Robotersteuerung.

Weniger Nachrüstung, mehr Vorbereitung

Für Integratoren und Betreiber liegt der Nutzen von RobotWare 8 deshalb nicht allein in einzelnen neuen Funktionen. Entscheidend ist die Vorbereitung auf einen neuen regulatorischen und normativen Rahmen. Wer neue Roboteranlagen plant, sollte die kommenden Anforderungen früh berücksichtigen – nicht erst kurz vor der Konformitätserklärung. Das gilt besonders dort, wo Roboter in komplexe Gesamtmaschinen eingebunden werden, wo bestehende Anlagen verändert werden oder wo Remote-Zugriffe und digitale Tools Teil des Bedienkonzepts sind.

Auch Bestandsanlagen verdienen einen genaueren Blick. Nicht jeder ältere Roboter lässt sich einfach in eine neue Maschine übernehmen. Wird eine Anlage wesentlich verändert oder ein Roboter aus einer bestehenden Linie in eine neue Anwendung integriert, kann eine erneute Bewertung erforderlich werden. ABB Robotics kann Anwender in solchen Fällen unterstützen – etwa durch Beratung, Modernisierung oder den Austausch der Robotersteuerung, wenn die Mechanik weiterverwendet werden soll.

RobotWare 8 nimmt Anwendern die Verantwortung für die Gesamtanlage nicht ab. Aber es schafft eine Plattform, mit der sich viele der neuen Anforderungen strukturiert umsetzen lassen. Die unterstützten OmniCore-Steuerungen können mit RobotWare 8 auf die neuen Sicherheitsfunktionen vorbereitet werden, ohne dass dafür grundsätzlich neue Controller-Hardware erforderlich ist. Damit wird die Umstellung planbarer – und die Sicherheitsarchitektur zukunftsfähiger.

Der Autor

Thomas Dedecke ist staatlich geprüfter Elektrotechniker und seit 31 Jahren bei ABB Robotics tätig. Nach Stationen im Service und in der Elektrokonstruktion spezialisierte er sich auf Maschinenschutz, Personensicherheit und funktionale Sicherheit in der Robotik. Seit 2008 betreut er SafeMove, validiert neue sicherheitsrelevante Funktionen in RobotWare und arbeitet im Second Level Support als Schnittstelle zwischen Entwicklung und lokalem Support. Als ABB-Vertreter im DIN-Gremium zur Roboternorm bringt er seine Praxiserfahrung zudem in die Weiterentwicklung internationaler Sicherheitsanforderungen für Industrieroboter ein.