Automation Extended: Wie ABB industrielle Innovation mit Kontinuität verbindet

Moderne ABB-Leitwarte mit ergonomischen Bedienarbeitsplätzen. Eine transparente Visualisierung zeigt das ABB Automation Ecosystem mit Prozessleitsystem, Asset Management, intelligenten Betriebsfunktionen und Anbindung an externe Cloud-Dienste.
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Industrieunternehmen stehen heute vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen ihre Anlagen stabil betreiben und gleichzeitig technologisch weiterentwickeln. Digitalisierung, Cybersecurity, Energieeffizienz und Dekarbonisierung stellen immer neue Anforderungen an bestehende Automatisierungssysteme. ABB begegnet diesem Spannungsfeld mit einem strategischen Ansatz, der kontinuierliche Innovation ermöglicht: Automation Extended.

Das Konzept beschreibt eine Weiterentwicklung der klassischen Prozessautomation. Statt komplette Systeme zu ersetzen, können Betreiber ihre bestehenden Automatisierungslösungen Schritt für Schritt erweitern. Neue digitale Anwendungen, Analytik- oder KI-Funktionen lassen sich integrieren, ohne dass der sichere Betrieb der Anlage gefährdet wird. Damit verfolgt ABB einen Ansatz, der Kontinuität und Fortschritt miteinander verbindet.

Stabiler Kern, offene Innovationsschicht

Im Zentrum von Automation Extended steht eine klare Architekturidee: Der Steuerungskern industrieller Anlagen bleibt stabil, deterministisch und hochverfügbar. Genau dort, wo Sicherheit und Verlässlichkeit entscheidend sind, dürfen keine Kompromisse gemacht werden. Gleichzeitig entsteht eine erweiterte digitale Umgebung, in der neue Funktionen schneller eingeführt werden können – etwa Datenanalysen, cloudbasierte Anwendungen oder KI-gestützte Optimierung.

So wird es möglich, Innovationen einzuführen, ohne die Stabilität der Produktionsprozesse zu gefährden. Offene Standards, modulare Software und sichere Schnittstellen sorgen dafür, dass sich neue Technologien schrittweise integrieren lassen.

Automation Extended ist der strategische Ansatz von ABB, industrielle Innovation mit langfristiger Betriebskontinuität zu verbinden. Damit werden Unternehmen neue digitale Fähigkeiten ermöglicht.  Datengetriebene Optimierung, fortgeschrittene Analytik und KI-Anwendungen können schrittweise zu integriert werden, während bestehende Automatisierungsinvestitionen geschützt und weiter genutzt werden. Durch die klare Trennung von Steuerungs- und Digitalebene schafft Automation Extended ein zukunftsfähiges Fundament, das Innovation unabhängig vom Kernleitsystem-Lebenszyklus erlaubt.

System 800xA 7.0 als Brücke zur nächsten Automationsgeneration

Eine zentrale Rolle in diesem Ansatz übernimmt das ABB Ability System 800xA 7.0. Die neue Version des Prozessleitsystems dient als Brücke zwischen heutiger und künftiger Automatisierung. Sie soll Betreibern helfen, bestehende Installationen weiterzuentwickeln und gleichzeitig die Grundlage für neue digitale Anwendungen zu schaffen.

Die neue Generation setzt unter anderem auf langfristige Softwareunterstützung, stärkere Virtualisierung und einen modularen Erweiterungsansatz über sogenannte Extension Packs. Betreiber können so ihre bestehende Systembasis beibehalten und gleichzeitig neue Funktionen gezielt ergänzen – ein entscheidender Vorteil in Industrien, deren Anlagen oft über Jahrzehnte betrieben werden.

Auch technologisch öffnet sich die Prozessautomation weiter: Containerisierte Softwaremodule, standardisierte Schnittstellen und sichere Kommunikationsprotokolle ermöglichen eine engere Integration von IT- und OT-Welten. Ergänzt wird dies durch Edge- und Cloud-Anbindungen, digitale Zwillinge sowie automatisierte Engineering-Methoden. Neue Anwendungen lassen sich testen und schrittweise ausrollen, ohne den laufenden Betrieb unnötig zu riskieren.

Automatisierung als Schlüssel zur industriellen Transformation

Für ABB steht hinter dieser Entwicklung jedoch mehr als nur technologische Modernisierung. Stefan Basenach, Senior Vice President Process Automation Technology bei ABB, beschreibt die Herausforderung in einem größeren industriellen Kontext:

Stefan Basenach, Senior Vice President Process Automation Technology bei ABB

„Mit Automation Extended schlagen wir die Brücke zwischen bewährter Automatisierungsexpertise und den Anforderungen einer zunehmend digitalen Industrie. Unser Ansatz verbindet offene, modulare und cybersichere Technologien mit den bestehenden Investitionen unserer Kunden. Das Ergebnis ist eine skalierbare Automatisierungsumgebung, die Effizienz steigert, Innovation beschleunigt und langfristige Zukunftssicherheit schafft.“

Stefan Basenach, Senior Vice President Process Automation Technology bei ABB

Automatisierung übernimmt dabei eine zentrale Rolle. Für Basenach stellt sie nichts Geringeres als das „Gehirn, Nervensystem und die Muskeln“ industrieller Anlagen dar: Sie steuert Prozesse, liefert Daten und ermöglicht es Unternehmen, ihre Produktion effizienter und nachhaltiger zu gestalten. 

Flexibilität wird entscheidend

Gerade in energieintensiven Industriezweigen zeigt sich, warum eine solche Weiterentwicklung der Automatisierung notwendig ist. Energieflüsse werden durch den Ausbau erneuerbarer Energien volatiler, Produktionsbedingungen dynamischer und Datenverfügbarkeit zum Wettbewerbsfaktor. Atakan Özcay, Local Division Manager Energy Industries bei ABB in Deutschland, betont deshalb die Bedeutung eines evolutionären Ansatzes:

Atakan Özcay, Local Division Manager Energy Industries bei ABB in Deutschland

„Die Fähigkeit, Stabilität und Wandel gleichzeitig zu beherrschen wird immer wichtiger. Automation Extended ermöglicht es Betreibern, ihre bestehende Leittechnik zu sichern und gleichzeitig neue digitale Funktionen für Effizienz, Transparenz und Flexibilität einzuführen.“

Atakan Özcay, Local Division Manager Energy Industries bei ABB

Transformation ohne Betriebsrisiko

Auch in Produktionszweigen der Metallindustrie, der Papier- und Zellstoffindustrie sowie im Bergbau oder in der Zementindustrie ist dieser Ansatz entscheidend. Hier laufen hochkomplexe Prozesse oft im 24/7-Betrieb, Stillstände können schnell hohe Kosten verursachen. Gleichzeitig stehen auch diese Branchen unter zunehmendem Druck, effizienter und nachhaltiger zu produzieren. Christian Grahn, Local Division Manager Process Industries bei ABB Deutschland, bringt diese Anforderungen auf den Punkt:

Christian Grahn, Local Division Manager Process Industries bei ABB Deutschland.

„Ob in der Metallindustrie, Papierproduktion, Zementherstellung oder im Bergbau – wir unterstützen unsere Kunden dabei, ihre Anlagen zukunftssicher weiterzuentwickeln und die Möglichkeiten der Digitalisierung gezielt zu nutzen. Automation Extended bietet dafür einen praxisnahen Weg: Bestehende Leittechnik bleibt geschützt, während digitale Funktionen und neue Technologien Schritt für Schritt integriert werden können.”

Christian Grahn, Local Division Manager Process Industries bei ABB Deutschland

Gerade energieintensive Industrien müssen ihre Prozesse kontinuierlich optimieren und gleichzeitig ihre CO₂-Bilanz verbessern. Automation Extended bietet dafür einen Weg, der Innovation und Betriebssicherheit miteinander verbindet.

Innovation ohne radikalen Neustart

Mit Automation Extended verfolgt ABB somit einen Ansatz, der über einzelne Produktgenerationen hinausgeht. Das Konzept beschreibt einen langfristigen Entwicklungspfad für industrielle Automatisierung – offen, modular und anschlussfähig an zukünftige Technologien.

Das Prozessleitsystem 800xA 7.0 bildet dabei die Brücke zwischen bestehender Leittechnik und einer neuen, datengetriebenen Automatisierungswelt. Für Betreiber bedeutet das vor allem eines: Sie können ihre Anlagen weiterentwickeln, ohne sie neu erfinden zu müssen.

In einer Industrie, die gleichzeitig resilienter, effizienter und klimaneutraler werden muss, könnte genau dieser Ansatz entscheidend sein: Fortschritt entsteht nicht durch radikale Brüche, sondern durch intelligente Erweiterung bestehender Systeme.

Zusätzlich zum neuen Automatisierungs-Ökosystem beinhaltet das Update mehrere zentrale Verbesserungen:

  • Extension Packs als neues Bereitstellungsmodell
    Mit Version 7.0 des System 800xA führt ABB einen neuen, modularen Software-Bereitstellungsansatz ein: die sogenannten Extension Packs. Sie ermöglichen es Kunden, auf ihrer bestehenden Softwarebasis zu bleiben und davon entkoppelt davon Innovationen mit einem unabhängigen Lebenszyklus einzuführen – und das ohne Unterbrechungen. Dadurch verringert sich der Aufwand für komplexe Upgrade-Prozesse, das betriebliche Risiko sinkt und die Lebenszykluskosten werden reduziert.
  • Erweiterte Unterstützung von Betriebssystemen und Virtualisierung
    Das System unterstützt zwei Generationen von Microsoft-Betriebssystemen, einschließlich Windows Server 2025/2022 und Windows 11/10, was flexible Upgrade-Pfade ermöglicht. Es unterstützt auch mehrere Virtualisierungsplattformen, darunter VMware und Hyper-V, und bietet Anwendern mehr Flexibilität bei der Bereitstellung und Wartung der Infrastruktur ihres Automatisierungssystems.
  • Gestärkte Cybersicherheit und Systemhärtung
    System 800xA 7.0 umfasst nativen Microsoft Defender-Malwareschutz, IEC 62443-konforme Sicherheitsfunktionen, verbessertes Zertifikatsmanagement und aktualisierte Kernkomponenten. Zusammen tragen diese Maßnahmen dazu bei, kritische Systeme vor modernen Cyber-Bedrohungen zu schützen und gleichzeitig die Sicherheitswartung zu vereinfachen.
  • Moderne Engineering-Werkzeuge und erweiterte Konnektivität
    Verbesserungen bei der OPC UA Client/Server-Funktionalität, der Integration von Ethernet-APL-Geräten und der netzwerkzentrierten I/O-Leistung steigern die Skalierbarkeit und Interoperabilität von Projekten. Version 7.0 unterstützt zudem die neuesten MTP-Standards für ABBs Modular Automation Orchestration Designer und hilft Kunden dabei, neue Anforderungen an modulare Produktionsprozesse zu erfüllen.