ABB auf der EM-Power: Energie effizienter verteilen, steuern und nutzen

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Die Energiewende entscheidet sich nicht allein auf dem Dach, im Windpark oder an der Ladesäule. Sie entscheidet sich vor allem dazwischen: in der intelligenten Verbindung von Erzeugung, Speicherung, Verteilung und Verbrauch. Je mehr Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher, Wärmepumpen und Ladepunkte ins System kommen, desto wichtiger wird es, Energieflüsse aktiv zu steuern. Für Netzbetreiber, Industrie und Gebäudebetreiber heißt das: Effizienz steigern, Lastspitzen vermeiden und erneuerbare Energien zuverlässig nutzbar machen.

Genau diese Aspekte standen im Mittelpunkt unseres Messeauftritts auf der EM-Power Europe 2026 in München. Statt einzelne Produkte in den Vordergrund zu stellen, zeigten wir, wie sich Energie vom Wohnhaus über Industrieanlagen bis hin zur Mittelspannungsebene intelligent verteilen, messen, steuern und optimieren lässt. Die zentrale Botschaft: Die Energiewende wird vor allem zur Managementaufgabe.

Erneuerbare Energien machen Stromnetze komplexer

Noch vor wenigen Jahren floss Energie überwiegend in eine Richtung: vom Kraftwerk zum Verbraucher. Heute speisen Millionen Photovoltaikanlagen Strom ins Netz ein, Batteriespeicher laden und entladen abhängig von Wetter und Strompreis, Elektrofahrzeuge werden zu mobilen Verbrauchern und Wärmepumpen erhöhen den Strombedarf im Gebäude.

Diese Entwicklung macht Stromnetze deutlich komplexer. Energie muss nicht nur erzeugt, sondern in Echtzeit verteilt, gemessen, prognostiziert und geregelt werden. Gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen, beispielsweise durch intelligente Messsysteme, steuerbare Verbrauchseinrichtungen oder neue Vorgaben für die Netzintegration.

Wir griffen den Ball auf und zeigten auf der EM-Power zahlreiche Lösungen, die genau diese Herausforderungen adressieren – von der Energieverteilung über Energiemonitoring bis hin zur KI-gestützten Optimierung kompletter Energiesysteme.

Das Gebäude wird zum aktiven Teilnehmer des Energiesystems

Besonders deutlich wird dieser Wandel im Wohnbau. Ein modernes Einfamilienhaus vereint heute häufig Photovoltaikanlage, Batteriespeicher, Wallbox und Wärmepumpe. Hinzu kommen intelligente Haushaltsgeräte und dynamische Stromtarife.

Damit aus diesen Einzelkomponenten ein wirtschaftlich arbeitendes Gesamtsystem wird, braucht es ein intelligentes Energiemanagement. Mit Smart EMS präsentierten wir eine Lösung, die unterschiedlichste Geräte verschiedener Hersteller miteinander verbindet und Energieflüsse automatisch optimiert. Überschüssiger Solarstrom kann beispielsweise bevorzugt in den Batteriespeicher oder das Elektroauto fließen, während Strom aus dem Netz dann genutzt wird, wenn Preise besonders günstig sind.

Ebenso verändern sich dadurch die Anforderungen an die elektrische Infrastruktur im Gebäude. Moderne Zähler- und Energieverteilerschränke müssen höhere Leistungen aufnehmen, zusätzliche Steuergeräte integrieren und ausreichend Platz für zukünftige Erweiterungen bieten. Was früher reine Energieverteilung war, entwickelt sich zunehmend zu einer intelligenten Steuerzentrale.

Transparenz wird zum Schlüssel für energieeffiziente Gebäude

Auch im Zweckbau reicht es längst nicht mehr aus, einzelne Gewerke unabhängig voneinander zu betreiben. Heizungs-, Klima-, Beleuchtungs- und Energiesysteme müssen gemeinsam betrachtet werden, um Verbrauch und Betriebskosten nachhaltig zu reduzieren.

Mit BuildingPro bieten wir eine Plattform, die unterschiedlichste Gebäudesysteme visualisiert und miteinander verknüpft. Betreiber erhalten dadurch einen vollständigen Überblick über den Zustand ihrer Gebäude und können Energieflüsse, Betriebszustände und Optimierungspotenziale zentral analysieren.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Messtechnik. Denn nur wer Energieverbräuche präzise erfasst, kann Einsparpotenziale identifizieren oder gesetzliche Anforderungen erfüllen. Für diese Anforderungen haben wir besonders kompakte Energiezähler im Portfolio, die sich beispielsweise in Batteriespeicher, Ladestationen oder PV-Anlagen integrieren lassen.

Ohne Daten keine Energieeffizienz

Viele Unternehmen kennen ihren gesamten Energieverbrauch erstaunlich ungenau. Verbrauchsdaten liegen in verschiedenen Systemen, einzelne Standorte arbeiten unabhängig voneinander und bestehende Messgeräte sind häufig nicht miteinander vernetzt.

Deshalb gewinnt Energiemonitoring zunehmend an Bedeutung. Hier kommt InSite Energy Pro ins Spiel – ein modulares System, das Energiedaten aus unterschiedlichsten Quellen zusammenführt. Neue Anlagen lassen sich ebenso integrieren wie bestehende Infrastruktur. Selbst abgelegene Standorte können ihre Daten über Mobilfunk oder LoRa übertragen.

Der Vorteil: Unternehmen erhalten erstmals ein vollständiges Bild ihrer Energieflüsse und schaffen damit die Grundlage für Energieeffizienz, Nachhaltigkeitsberichte oder Zertifizierungen nach ISO 50001.

Aus Daten werden Entscheidungen

Der eigentliche Mehrwert entsteht jedoch erst dann, wenn aus Messdaten automatisch Entscheidungen werden.

Mit ASKI zeigt ABB, wie intelligentes Lastmanagement funktioniert. Das System berücksichtigt sämtliche relevanten Verbraucher eines Unternehmens – von Produktionsanlagen über Ladeinfrastruktur bis hin zu Batteriespeichern und Photovoltaikanlagen. Ziel ist es, Lastspitzen zu vermeiden, vorhandene Netzanschlüsse optimal auszunutzen und Energiekosten zu senken.

Dabei spielen zunehmend dynamische Stromtarife eine Rolle. Statt Energie immer zum gleichen Preis zu beziehen, können Unternehmen ihre Prozesse gezielt in günstige Preisfenster verschieben oder Batteriespeicher intelligent einsetzen. Gleichzeitig steigt der Eigenverbrauch selbst erzeugter Solarenergie.

Noch einen Schritt weiter geht OPTIMAX. Während klassische Energiemanagementsysteme meist nur elektrische Energie betrachten, verbindet OPTIMAX verschiedene Energieträger wie Strom, Wärme, Gas, Dampf und Druckluft zu einem gemeinsamen Optimierungsmodell. Auf Basis von Wetterprognosen, Energiepreisen und Lastvorhersagen erstellt das System optimale Fahrpläne für industrielle Energiesysteme und kann so erhebliche Kosteneinsparungen ermöglichen.

Die Elektrifizierung von Fahrzeugflotten verändert das Energiemanagement

Auch die Mobilitätswende stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Immer mehr Logistikunternehmen, Verkehrsbetriebe oder kommunale Flotten elektrifizieren ihre Fahrzeuge. Gleichzeitig stoßen bestehende Netzanschlüsse schnell an ihre Grenzen.

Mit dynovaPRO™ haben wir die passende Lösung: Eine cloudbasierte Plattform, die Ladeinfrastruktur, Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher mit den Bedarfen einer Fahrzeugflotte gemeinsam optimiert. Durch intelligentes Lastmanagement nutzt das System die vorhandene Anschlussleistung optimal aus auch unter Berücksichtigung operativer Einsatzplanungen. So lassen sich kostspielige Erweiterungen des Netzanschlusses häufig vermeiden, während die Fahrzeuge dennoch pünktlich und kostengünstig geladen werden.

Damit wird Energiemanagement zunehmend zu einem wirtschaftlichen Faktor: Wer seine vorhandene Infrastruktur intelligenter nutzt, kann hohe Investitionen in den Netzausbau vermeiden. 

Die Energiewende endet nicht an der Gebäudetür

Mindestens ebenso wichtig wie das Energiemanagement auf Verbraucherseite ist die sichere Integration erneuerbarer Energien in die Stromnetze.

Mit steigenden Leistungen von Photovoltaik- und Batteriespeicheranlagen wachsen auch die Anforderungen an Schaltanlagen, Schutztechnik und Energieverteilung. Unsere Experten zeigten auf der EM-Power Lösungen für die Einspeisung erneuerbarer Energien sowohl in der Nieder- als auch in der Mittelspannung.

Dazu gehören Schaltgeräte für 800-Volt-Anwendungen ebenso wie komplette Infrastruktur für Solarparks und Batteriespeicher – beispielsweise EcoFlex-Container, eHouses oder SF6-freie Mittelspannungsschaltanlagen. Ziel ist es, erneuerbare Energien schneller, sicherer und wirtschaftlicher an das Stromnetz anzubinden.

Auch beim Kabelmanagement setzen wir auf Lösungen, die Installationen vereinfachen, Fehler reduzieren und den Netzausbau beschleunigen. Denn mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wächst gleichzeitig der Bedarf an leistungsfähigen und zuverlässigen Verteilnetzen.

Die eigentliche Innovation liegt im Zusammenspiel

Der vielleicht wichtigste Eindruck des Messeauftritts war jedoch ein anderer: Keine der gezeigten Lösungen steht für sich allein.

Energiemanagement beginnt heute im Wohngebäude, setzt sich über Gewerbe und Industrie fort und reicht bis in die Mittelspannung und zum Netzanschluss großer Solar- oder Batteriespeicherprojekte. Erst das Zusammenspiel aus intelligenter Energieverteilung, präziser Messtechnik, kontinuierlichem Monitoring, automatisierter Optimierung und leistungsfähiger Netzinfrastruktur ermöglicht eine stabile und wirtschaftliche Energiewende.

Entsprechend präsentierten wir auf der EM-Power weniger einzelne Produkte als vielmehr einen durchgängigen Lösungsansatz für ein Energiesystem, das zunehmend dezentral, digital und dynamisch wird. Die Botschaft dahinter ist klar: Die Zukunft der Energie entscheidet sich nicht allein bei der Erzeugung erneuerbarer Energie – sondern vor allem darin, wie intelligent wir sie steuern.