Energiewende mit System: Vernetzte Lösungen schaffen Stabilität und Effizienz

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Intro

Gebäude werden zu aktiven Akteuren im Energiesystem. Sie speichern Energie, steuern ihren Verbrauch und speisen Strom gezielt ins Netz zurück. Was lange als Zukunftsvision galt, ist heute Realität. Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien steigen jedoch auch die Anforderungen: Energieflüsse werden komplexer, Lasten dynamischer und die Erwartungen an Effizienz und Versorgungssicherheit höher. Gefragt sind Lösungen, die nicht isoliert funktionieren, sondern intelligent zusammenspielen – genau hier setzen vernetzte Systeme an.

Diese Entwicklung lässt sich auch in Zahlen klar belegen: 2024 stammten in Deutschland laut Statistischem Bundesamt bereits 59,4 Prozent des im Inland erzeugten und ins Netz eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Quellen. Der Anteil am Stromverbrauch lag laut Umweltbundesamt bei 54,4 Prozent. Dieses Wachstum ist Ausdruck der dringenden Notwendigkeit, fossile Energieträger abzulösen und gleichzeitig ein stabiles, klimafreundliches Energiesystem zu etablieren. Doch mit dem Erfolg erneuerbarer Energien steigen auch die Herausforderungen. Die Netze stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen, politische Entscheidungen senden Investitionssignale oder bremsen den Ausbau und die Industrie sucht nach Lösungen für Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. In diesem Spannungsfeld nimmt ABB eine zentrale Rolle ein. Mit Systemlösungen, die Hard- und Software intelligent verbinden, werden Netzstabilität, Energieautarkie und Flexibilität gleichermaßen ermöglicht.

„Wir müssen weg vom Denken in einzelnen Komponenten und hin zu einem ganzheitlichen Systemansatz.“

Matthew Porter, Bereichsleiter Renewables bei ABB Elektrifizierung.

Der Schlüssel zur Energiewende: Microgrids und Smart Grids

Die erfolgreiche Transformation hin zu einem dezentralisierten Energiesystem basiert auf Microgrids und Smart Grids. Sie ermöglichen es, Erzeugung und Verbrauch regional zu koppeln, Lasten intelligent zu steuern und Spitzen im Netz abzufangen. Während Wind- und Solaranlagen zunehmend Strom einspeisen, ist es entscheidend, diesen möglichst effizient vor Ort zu nutzen. Microgrids schaffen genau diese Brücke. Sie vernetzen lokale Erzeuger, Speicher und Verbraucher, stabilisieren das Netz und eröffnen neue Geschäftsmodelle, beispielsweise durch Mieterstrom oder Quartierslösungen. Deutschland hat diese Entwicklung in den letzten Jahren teilweise verschlafen. Der schleppende Rollout intelligenter Messsysteme, hohe Datenschutzanforderungen und komplexe Regularien haben die Implementierung gebremst. Dennoch sind Microgrids unverzichtbar, um Klimaziele zu erreichen und das Energiesystem widerstandsfähiger aufzustellen.

Photovoltaik im Wandel: Wachstum mit Unsicherheiten

Wie dynamisch – und gleichzeitig abhängig von politischen Rahmenbedingungen – der Markt ist, zeigt sich besonders im Photovoltaik-Sektor. 2024 lag der Zubau bei über 16 Gigawatt und damit über dem bisherigen Rekordjahr 2023. Gleichzeitig zeigen sich deutliche Schwankungen: Während 2023 rund 800.000 neue PV-Anlagen installiert wurden, waren es 2024 nur noch etwa 640.000. Für 2025 deutet sich mit rund 209.000 Anlagen im ersten Halbjahr eine weitere Abschwächung an. Diese Entwicklung macht deutlich, wie stark politische Entscheidungen den Markt beeinflussen. Förderprogramme, Einspeisevergütungen und regulatorische Vorgaben können Wachstum beschleunigen – oder bremsen.

„Die Branche lebt von politischen Signalen. Wenn sie ausbleiben, spüren wir das sofort im Markt.“

Matthew Porter.

Vom Produkt zur Lösung: der systemische Ansatz von ABB

Vor diesem Hintergrund verfolgt ABB einen klaren Ansatz: Energie wird nicht mehr als Summe einzelner Komponenten betrachtet, sondern als integriertes System. Das bedeutet: Hard- und Software greifen nahtlos ineinander. Energiemanagementsysteme, Schaltanlagen, Schutztechnik und digitale Plattformen arbeiten zusammen, um Energieflüsse transparent zu machen, Lasten zu steuern und Anlagen zuverlässig zu schützen.
Ein Beispiel dafür ist das Energiemanagementsystem ABB ASKI. Es ermöglicht die Visualisierung von Energieverbräuchen, das aktive Lastmanagement und die intelligente Steuerung von Verbrauchern im Zusammenspiel mit Photovoltaik und Speichern. Besonders in Industrie- und Gewerbegebäuden entstehen dadurch erhebliche Effizienzpotenziale, da Lastprofile flexibel angepasst werden können.

Ergänzt wird dieser Ansatz durch Schutztechnik wie das Netzeinspeise-Überwachungsrelais CM-UFD.M31. Es überwacht Spannung und Frequenz und ist für größere PV-Anlagen vorgeschrieben. ABB liefert hier nicht nur die Hardware, sondern auch geprüfte Schaltungsempfehlungen und Stücklisten. Das reduziert Planungsaufwand und schafft Sicherheit für Installateure und Schaltanlagenbauer. Der entscheidende Vorteil: ABB verbindet jahrzehntelange Erfahrung in der Hardware mit moderner Systemintelligenz – von der Mittelspannung bis hin zum einzelnen Verbraucher

Wo das größte Potenzial liegt

Besonders groß ist das Potenzial für solche Lösungen im gewerblichen und industriellen Bereich. Hier treffen hohe Energiebedarfe auf große Dachflächen für Photovoltaik – ideale Voraussetzungen für wirtschaftliche und effiziente Energiesysteme.
Aber auch Mehrparteienhäuser und Quartierslösungen gewinnen an Bedeutung. Mieterstrommodelle ermöglichen es beispielsweise, lokal erzeugten Strom direkt an Bewohner weiterzugeben. Das steigert die Wirtschaftlichkeit und bringt die Energiewende direkt in den Alltag. Im Einfamilienhausbereich bleibt das Potenzial dagegen begrenzter. Hier sind die Möglichkeiten zur Lastverschiebung geringer und Investitionen amortisieren sich oft langsamer.

Zahlen, Trends und Herausforderungen

Die Zahlen unterstreichen die Dynamik, aber auch die Herausforderungen. So stieg die installierte Leistung erneuerbarer Energien laut Bundesnetzagentur im Jahr 2024 um knapp 20 Gigawatt auf rund 190 Gigawatt. Das ist ein Zuwachs von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Davon entfielen allein 14 Gigawatt auf Photovoltaik. Dennoch reicht dieser Ausbau nicht aus, um die Ausbauziele zu erreichen. Während Solarstrom mit rund 72 Terawattstunden bereits 13,8 Prozent zur Stromerzeugung beiträgt und Wind an Land einen Anteil von 31,5 Prozent erreicht, hinken Offshore-Windprojekte deutlich hinterher. Der gesetzliche Pfad sieht vor, dass bis 2030 mindestens 80 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt werden sollen. Dafür müssen jährlich deutlich höhere Zubauzahlen erreicht werden als derzeit.

Hinzu kommen wirtschaftliche Faktoren: steigende Zinsen, eine schwächelnde Baukonjunktur und Unsicherheiten bei Investitionen. Gleichzeitig sinken die Preise für Batteriespeicher kontinuierlich, was mittelfristig einen weiteren Schub für Eigenverbrauchslösungen bringen dürfte.

ABB als Partner in der Energiewende

In einem Markt, der von Dynamik und Unsicherheit geprägt ist, kommt es auf Verlässlichkeit an. ABB bietet ein umfassendes Portfolio – von Mittelspannungstechnik über Schutzlösungen bis hin zu intelligenten Energiemanagementsystemen. Doch der Anspruch geht über Produkte hinaus. ABB versteht sich als Partner, der Installateure, Planer und Betreiber unterstützt – mit durchdachten Systemlösungen, Planungshilfen und technischer Beratung. Das erleichtert die Umsetzung komplexer Projekte und spart wertvolle Zeit.

Die Energiewende gelingt nur, wenn erneuerbare Erzeugung, intelligente Netze und dezentrale Systeme zusammengedacht werden. ABB liefert dafür integrierte Lösungen vom Energiemanagement über Schutztechnik bis hin zu umfassenden Systemarchitekturen. Entscheidend ist der Schritt vom Produktdenken hin zu einem übergreifenden Systemverständnis, das Autarkie, Effizienz und Netzstabilität gleichermaßen stärkt.