Von Drag-and-Drop bis KI: So wird Roboterprogrammierung einfacher

Gefällt mir
Bookmark
Intro

Roboter arbeiten präzise, ausdauernd und schnell. Doch bevor sie loslegen können, müssen sie wissen, was zu tun ist. Genau hier lag lange eine der größten Einstiegshürden: die Programmierung. No-Code-Tools, KI-Assistenten und neue Lernangebote machen daraus eine Aufgabe, die auch ohne jahrelange Erfahrung gelingt.

Deutschland ist eine Roboternation. In der Industrie arbeiten inzwischen rund installierte 278.900 Einheiten – mehr als in jedem anderen europäischen Land. Auf 10.000 Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe kommen 449 Roboter. Damit liegt Deutschland weltweit auf Platz drei.

Doch eine hohe Roboterdichte erzählt nur einen Teil der Geschichte. Denn zwischen dem Entschluss zur Automatisierung und dem produktiven Einsatz liegt häufig eine entscheidende Frage: Wer richtet den Roboter ein, programmiert neue Abläufe und passt ihn an wechselnde Aufgaben an? Schon heute machen sich die Auswirkungen des Fachkräftemangels bei jedem dritten Unternehmen bemerkbar – ein Trend, der sich mit dem altersbedingten Ausscheiden erfahrener Mitarbeitende noch zuspitzen dürfte. Hinzukommt: Wo Schlüsselkompetenzen fehlen oder Sorgen vor zu hoher Komplexität vorherrschen, wird womöglich die Chance für einen Einstieg in die Automatisierung von Prozessen vertan. Im Rahmen einer weltweiten Umfrage von ABB Robotics gaben 34 Prozent der Unternehmen genau diese Punkte als Hinderungsgrund für einen Robotereinsatz an.

Fakt ist: Robotik kann Beschäftigte entlasten und Produktionsprozesse flexibler machen. Damit sie ihr Potenzial entfaltet, muss sie jedoch aus der reinen Expertinnen- und Expertenecke heraus. Genau deshalb arbeitet ABB Robotics daran, die Bedienung eines Roboters so selbstverständlich zu gestalten wie den Umgang mit einem Smartphone.

Wenn Programmieren nicht mehr nach Programmieren aussieht

Noch immer denken viele Menschen bei Roboterprogrammierung an lange Codezeilen, kryptische Befehle und wochenlange Schulungen. Mit Wizard Easy Programming sieht die Realität deutlich anders aus.

Die Software übersetzt Programmierlogik in grafische Blöcke. Anwenderinnen und Anwender wählen die benötigten Funktionen auf einer übersichtlichen Oberfläche aus und setzen sie per Drag-and-Drop zu einem Ablauf zusammen. Aus einzelnen Bausteinen entsteht so innerhalb kurzer Zeit ein vollständiges Roboterprogramm – etwa für die Maschinenbeschickung, das Palettieren oder das Lichtbogenschweißen.

Statt Codezeilen zu schreiben, setzen Anwenderinnen und Anwender die gewünschten Arbeitsschritte in Wizard Easy Programming aus grafischen Blöcken zusammen. (Bild: ABB Robotics)

Was zunächst nach einer Lösung für Cobots klingt, reicht inzwischen weit darüber hinaus. Wizard steht nicht nur für kollaborative Roboter wie GoFa zur Verfügung, sondern auch für alle Sechsachs-Industrieroboter mit OmniCore-Steuerung. Die Bedienphilosophie wird damit einfacher – unabhängig davon, wie groß, schnell oder leistungsstark ein Roboter ist.

Erfahrene Programmiererinnen und Programmierer bleiben dennoch nicht außen vor. Mit dem Skill Creator können sie eigene Wizard-Blöcke für spezielle Anwendungen entwickeln und anschließend anderen Nutzenden bereitstellen. Fachwissen verschwindet also nicht – es wird in wiederverwendbare Funktionen übersetzt.

Vormachen, statt jeden Schritt einzutippen

Besonders anschaulich wird die vereinfachte Bedienung bei der Lead-Through-Programmierung. Dabei führt die Bedienperson den Cobot mit der Hand an die gewünschten Positionen. Der Roboter merkt sich den Weg, während Wizard die einzelnen Prozessschritte ergänzt. Auf diese Weise lassen sich erste Abläufe schon wenige Minuten nach der Installation anlegen. Der Roboter wird nicht mehr ausschließlich abstrakt programmiert. Man zeigt ihm, was er tun soll.

Das verändert auch die Zusammenarbeit in der Produktion. Wer einen Prozess täglich ausführt, kennt oft seine entscheidenden Handgriffe am besten. Intuitive Werkzeuge ermöglichen es diesen Beschäftigten, ihr Praxiswissen unmittelbar in einen automatisierten Ablauf zu übertragen – ohne dafür zunächst eine Programmiersprache lernen zu müssen.

Ein KI-Assistent für RobotStudio

Nicht jede Aufgabe lässt sich vollständig über grafische Blöcke lösen. Sobald Abläufe komplexer werden, kommen Programmcodes, Simulationen und detaillierte technische Dokumentationen ins Spiel. Genau dort unterstützt der RobotStudio AI Assistant.

Der KI-Assistent ist in unsere Offline-Programmier- und Simulationssoftware RobotStudio integriert. Er versteht natürlich formulierte Fragen und greift dabei auf Handbücher sowie weitere technische Dokumentationen zurück.

Anwender können ihn beispielsweise fragen, wie sich eine bestimmte Bewegung programmieren lässt, warum eine Routine nicht funktioniert oder wie bestehender Code effizienter aufgebaut werden kann. Der Assistent liefert Erklärungen, schlägt einsatzbereite Codebausteine vor und hilft bei der Fehlersuche.

Der KI-Assistent in RobotStudio beantwortet Fragen in natürlicher Sprache, unterstützt bei der Codeerstellung und hilft bei der Fehleranalyse. (Bild: ABB Robotics)

Damit ersetzt KI nicht das Prozesswissen der Menschen, aber sie macht dieses Wissen schneller nutzbar. Statt lange in Handbüchern zu suchen, können Anwender unmittelbar in einen Dialog einsteigen und sich schrittweise zur passenden Lösung führen lassen.

 

Die Oberfläche passend zum Arbeitsplatz

Ein Roboterprogramm allein macht noch keine gut bedienbare Anwendung. Im Produktionsalltag kommt es ebenso darauf an, dass Beschäftigte Funktionen schnell finden, Zustände eindeutig erkennen und sicher durch einzelne Arbeitsschritte geführt werden.

Mit AppStudio lassen sich solche grafischen Bedienoberflächen ohne klassische Programmierung erstellen. Symbole, Schaltflächen, Dropdown-Menüs und Anzeigen werden per Drag-and-Drop angeordnet. Vorlagen und Bausteine aus einer cloudbasierten Bibliothek verkürzen die Entwicklung zusätzlich.

Die Oberflächen können gezielt für Tablets, Smartphones oder das FlexPendant-Handbediengerät angepasst werden und stehen in 20 Sprachen zur Verfügung. Was früher mehrere Entwicklungstage beanspruchen konnte, entsteht damit in deutlich kürzerer Zeit.

Mit AppStudio entstehen individuelle Bedienoberflächen aus Vorlagen und grafischen Bausteinen – optimiert für unterschiedliche Endgeräte. (Bild: ABB Robotics)

Das ist mehr als eine Frage der Optik. Eine verständliche Oberfläche reduziert Fehlbedienungen, erleichtert das Einarbeiten neuer Beschäftigter und sorgt dafür, dass auch selten ausgeführte Prozesse sicher beherrschbar bleiben. 

Der nächste Schritt: Roboter, die Zusammenhänge verstehen

No-Code-Tools und KI-Assistenten vereinfachen heute vor allem die Einrichtung und Programmierung. Die Vision von Autonomous Versatile Robotics geht aber noch weiter. Dahinter steht eine neue Generation vielseitiger ABB-Roboter, die nicht mehr für jeden Arbeitsschritt bis ins Detail vorbereitet werden muss. Statt starr einem festgelegten Programm zu folgen, sollen die Systeme ihre Umgebung wahrnehmen, Anweisungen verstehen und Aufgaben eigenständig planen können. 

Ein solcher Roboter könnte künftig auf Zuruf zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten wechseln, auf veränderte Bedingungen reagieren und bei unklaren Anweisungen gezielt nachfragen. Was heute separate Programmierung, Simulation und Umrüstung erfordert, würde zunehmend Teil eines intelligenten Dialogs zwischen Mensch und Maschine. 

Die heutigen Lösungen schaffen dafür die Basis: RobotStudio verbindet reale und virtuelle Produktion, KI erleichtert den Zugriff auf technisches Wissen und intuitive Bedienkonzepte übersetzen menschliche Absichten in ausführbare Abläufe.

Wissen bleibt wichtig – aber es kommt zum Anwender

Je leichter sich Roboter bedienen lassen, desto weniger Spezialwissen ist für den Einstieg erforderlich. Ganz ohne Qualifizierung geht es dennoch nicht. Beschäftigte müssen Prozesse verstehen, Risiken einschätzen und das Potenzial der Technik sinnvoll einsetzen können.

Mit der Lern-App RoboMasters lassen sich diese Kompetenzen unabhängig von Ort und festen Schulungsterminen aufbauen. Die Inhalte reichen von interaktiven Lektionen über Simulationen bis zu praktischen Aufgaben. Sie stehen in mehr als 50 Sprachen zur Verfügung und können dem persönlichen Wissensstand entsprechend zusammengestellt werden.

Gamification, Rankings und Community-Funktionen sollen zusätzlich motivieren. Nach erfolgreich absolvierten Modulen erhalten Teilnehmende ein Zertifikat. Unternehmen können so neue Beschäftigte einarbeiten, Wissen auffrischen und Qualifikationen schrittweise erweitern.

Mit der Lern-App RoboMasters von ABB Robotics entwickeln Einsteigerinnen und Einsteiger sowie Profis flexibel und interaktiv Kompetenzen in der Roboterprogrammierung. (Bild: ABB Robotics)

Wie wichtig solche Angebote sind, zeigt die eingangs erwähnte Umfrage von ABB Robotics unter 1.650 Unternehmen, bei der 34 Prozent fehlende Kenntnisse und die Sorge vor zu hoher Komplexität als Hindernis für den Robotereinsatz nannten. Immerhin 29 Prozent dieser Unternehmen gaben an, dass sie ihre Entscheidung noch einmal überdenken würden, wenn geeignete Schulungsmöglichkeiten verfügbar wären.

34%
der befragten Unternehmen sehen fehlende Kenntnisse oder eine zu hohe Komplexität als Hürde für den Robotereinsatz.
29%
dieser Unternehmen würden ihre Entscheidung noch einmal überdenken, wenn geeignete Schulungsmöglichkeiten verfügbar wären.

Der einfachste Roboter ist der, der schnell produktiv wird

Ob beim Schweißen, Palettieren, Prüfen oder Beschicken von Maschinen: Entscheidend ist nicht allein, was ein Roboter theoretisch leisten kann. Mindestens genauso wichtig ist, wie schnell Unternehmen diese Leistung in ihren Produktionsalltag bringen.

Hier greifen die einzelnen Bausteine ineinander. Wizard vereinfacht die Programmierung, RobotStudio unterstützt mit Simulation und KI, AppStudio schafft verständliche Bedienoberflächen und RoboMasters bringt das benötigte Wissen direkt zu den Anwenderinnen und Anwendern.

So wird aus Robotik kein abgeschlossenes Expertengebiet, sondern ein Werkzeug, das mehr Menschen selbstständig einsetzen können. Der Roboter muss dafür nicht weniger leistungsfähig werden. Er muss nur besser verstehen, was der Mensch von ihm möchte.

Von No-Code bis KI – die Werkzeuge im Überblick

Wizard Easy Programming
Grafische Programmierung per Drag-and-Drop für Cobots und Industrieroboter mit OmniCore-Steuerung. Mehr über Wizard Easy Programming

RobotStudio AI Assistant
KI-gestützte Unterstützung für Fragen, Codeerstellung, Optimierung und Fehleranalyse.                                Mehr zu RobotStudio AI Assistant

AppStudio
No-Code-Tool zur Erstellung individueller Bedienoberflächen für unterschiedliche Geräte.                            Mehr zu AppStudio

RoboMasters
Modulare Lern-App mit interaktiven Inhalten, Simulationen und Zertifikaten.                                                 Mehr zu RoboMasters

Mehr über die Softwarelösungen von ABB Robotics erfahren